„Meine gute, kluge Frau!“ rief er und drückte sie an sein Herz, „was wird nun über uns kommen?“

„Was sollen wir tun?“ fragte sie dagegen, „das Hoftor und die Haustüre schließen?“

„Das hat keinen Wert; sie schlagen die Türen ein und dringen dann schon in feindlicher Stimmung ins Haus. Nein, wir wollen sie wie Einquartierung behandeln, gutwillig geben, damit sie keine Gewalt brauchen. Trage auf, was du irgend Gutes im Haus hast und zeige keine Furcht.“ Er rief seinen beiden Kleinen, die noch ahnungslos im Nebenzimmer spielten: „Kinder, es kommen Soldaten ins Dorf, wahrscheinlich kommen auch welche zu uns zum Mittagessen.“

„Keine Feinde, gelt Vater?“ sagte Fickchen, als es des Vaters ruhige
Worte hörte.

„Hungrige Soldaten,“ erwiderte dieser ausweichend. „Hilf der Mutter den
Tisch decken, Stühle herbei tragen; so ist's recht, meine Kleine.“

Die Pfarrfrau breitete ein frisches Tafeltuch auf und richtete den Tisch wie für Gäste.

In diesem Augenblick kam aus der Küche Maruschka, das Mädchen, totenblaß herein; sie hatte vom Fenster aus in der Ferne russische Reiter traben sehen und konnte vor Schreck kaum stammeln.

„Still, Maruschka, still; wir bekommen wahrscheinlich Einquartierung. Sieh, daß das Essen recht gut ausfällt. Man muß den hungrigen Soldaten gut zu essen und zu trinken geben. Geh in die Küche, ich komme gleich nach.“

„Ei, Mutti,“ sagte Fickchen, „ich glaube, Maruschka ist bange vor den
Soldaten. Ich gar nicht, ich habe gern Einquartierung.“

Eine Weile herrschte tiefe Stille im Ort; kein Mensch wagte sich auf die
Straßen, alle verkrochen sich in Todesangst in ihre Häuser.