Der kleine Franzos.
Als das deutsche Heer im August nach Frankreich einmarschierte, kam es gar schnell auf den großen Straßen, die nach Paris führen, vorwärts.
Die Franzosen hatten sich das ganz anders gedacht. Sie wollten auf unsere Hauptstädte losgehen, wir sollten nicht wieder in ihr Land eindringen wie im Jahr 1870. Als sie nun doch wieder sehen mußten, wie unsere Soldaten unaufhaltsam vordrangen, da wurde die ganze französische Bevölkerung von furchtbarem Grimm gegen die Deutschen erfaßt. Männer und Frauen ließen ihre Wut sogar noch an unsern Verwundeten aus und nach der Schlacht, wenn unsere Soldaten friedlich durch ein Dorf zogen, schossen sie heimtückisch, hinter den Fenstern versteckt, aus ihren Häusern heraus.
Da machten unsere Offiziere bekannt, wenn unsere Soldaten friedlich in ein Dorf einzögen, dürfe keinem von ihnen etwas geschehen. Die Einwohner sollten sich hüten und wenn künftig nur auch ein Schuß fiele, so würde das ganze Dorf verbrannt.
Aber die Wut und der Haß waren zu groß; auch glaubten die Leute nicht, daß unsere Soldaten mitten im Krieg gegen die Männer, die keine Waffen trugen, und gegen die Frauen und Kinder freundlich sein würden. Man hatte ihnen so viel vorgelogen, daß sie meinten, die Deutschen seien grausame Barbaren. So kam es immer wieder vor, daß sie wie Meuchelmörder aus dem Hinterhalt auf die einziehenden Deutschen schossen; dann gaben die Offiziere den Befehl, das ganze Dorf in Brand zu schießen, und das geschah.
So kam es, daß eine ganze Anzahl von Dörfern niederbrannten. Viele der
Bewohner flüchteten in die nächsten Orte und erzählten dort die
Schauergeschichte von dem Brand; aber das erzählten sie nicht, daß sie
selbst an diesem Unglück schuld waren. So wurde die Angst vor den
Deutschen und der Haß gegen sie immer größer.
Ein großes Dorf, das durch einen Bach in zwei Teile geteilt war, wurde auf diese Weise auch in Brand geschossen; aber nur der Teil, aus dem geschossen worden war. Kirche, Schule und eine Reihe von Häusern rings herum waren verschont geblieben. Dort quartierten sich die Deutschen am Abend ein; aber sie ließen auch die französischen Familien ruhig in ihren Häusern.
So war auch ein deutscher Leutnant ganz friedlich bei zwei alten Leuten einquartiert, die ihren kleinen Enkel bei sich hatten, einen etwa neunjährigen Knaben. Der Junge gefiel dem Offizier, er sah sehr klug aus und war artig gegen seine Großeltern. „Komm doch einmal her zu mir!“ rief der Offizier, der beim Frühstück saß, in französischer Sprache dem Jungen zu.
Ohne Scheu folgte der Knabe.
„Wie heißt du denn?“—„Pierre“.