Jetzt stund sie auf und legte das Töchterchen sorgsam in den Korbwagen.
"So Jüngferlein," sagte sie, "nach dieser großen Leistung, nachdem du
zweimal gelächelt hast, wirst du herrlich schlafen, draußen am offenen
Fenster!" Sie fuhr sachte den Wagen in das Schlafzimmer.

Gebhard wandte sich dem Vater zu. "Es ist so nett, wenn die Mutter "Jüngferlein" sagt zu einem so kleinen Kind, hörst du das nicht auch so gern, Vater? Überhaupt ist es jetzt so eine schöne Zeit! So soll's immer bleiben, wie es jetzt ist!"

Stegemanns Gedanken wurden durch diesen Wunsch herausgerissen aus der friedlichen Umgebung.

"Gebhard, du denkst nicht an den Krieg, sonst könntest du nicht von einer schönen Zeit reden, die bleiben soll."

"Aber wir siegen doch, und das gibt dann die allergrößte Freude."

"Vorher werden viele Tausende von unsern deutschen Soldaten sterben!"

"Viele Tausende?" Gebhard wiederholte sinnend diese Worte und blieb eine Weile ganz nachdenklich. Dann aber trat er dicht an den Vater heran und begann mit eifrigen Worten: "Das darf man doch nicht so traurig sagen, Vater? Die Soldaten ziehen doch gern in die Schlacht und wollen fürs Vaterland sterben? Wenn ich nur schon älter wäre, und wenn du noch jünger wärst, dann zögen wir miteinander in den Krieg, du wärst ein Offizier und ich dein liebster Soldat und wenn du befiehlst: 'Freiwillige vor!' komme ich zu allererst. Aber mit zehn Jahren geht das noch nicht, und du, Vater, gelt du bist schon zu alt, du hast doch schon ein wenig graue Haare!"

"Die grauen Haare machen nichts; vielleicht komme ich doch noch daran.
Aber sei still, wir wollen damit der Mutter nicht angst machen."

Sie sahen beide nach der Türe, durch die die junge Frau eben wieder hereintrat. Es lag noch der Schimmer mütterlicher Zärtlichkeit auf ihrem Gesicht, als sie sagte: "Mein Jüngferlein schlummert schon."

"Dein Jüngferlein, Helene? Mir gehört es auch!" Er zog seine Frau zärtlich an sich.