"Niemand kann das von dir verlangen."

"Großmutter, gelt der Soldat hat recht, Grete und Else wissen nicht, wie gern ich meinen Leo habe, aber du weißt es doch, Großmutter!"

"Ich weiß es freilich, er ist dein liebster, treuster Kamerad! Und er ist dir auch ein Andenken an den Vater, ans Forsthaus, an die liebe, alte Heimat. Du würdest ihn alle Tage vermissen, weil dein Herz an ihm hängt."

"Ja, ja, gerade so ist's wie du dir's denkst, Großmutter. Leo könnte es auch gar nicht verstehen. Vorhin war's mir, als müßte ich ihn hergeben, weil man ihn im Krieg so nötig brauchen könnte, aber ich bin froh, daß du selbst sagst, ich soll ihn behalten."

"Das habe ich nicht gesagt, Gebhard, und kann es auch nicht sagen. Nur du selbst kannst wissen, ob du dein Liebstes fürs Vaterland hergeben mußt oder nicht!"

"Nein, Großmutter, sage mir, was du meinst."

"Ich meine, du gehst jetzt einmal hinunter zu deinem Leo und ich trage den Kaffee in das Zimmer!"

"Ich will aber doch wissen, was du denkst!"

Die Großmutter überhörte den ärgerlichen Ausruf ihres Enkels und kehrte in das Zimmer zurück. Gebhard stand noch einen Augenblick voll Ärger und Unmut da, dann tat er doch, was die Großmutter gesagt; er ging hinunter in den Hof, an dessen Zaun der Hund sofort hoch sprang und freudig seinen kleinen Herrn begrüßte, der ihn diesmal mit stürmischer Zärtlichkeit umschlang und ihm einmal ums andere zurief: "Du wirst nicht verkauft, Leo, nein, nein! Wir zwei bleiben beisammen!"

Droben im Zimmer machte der bescheidene junge Gast Umstände, noch weiter dem Kaffee zuzusprechen und noch länger zu verweilen.