„Lassen Sie unsern Frommherz phantasieren! Ich meinerseits bin auf das Essen gespannt,“ sprach, sich am Tische niederlassend, der nüchterne Piller. „Sechzig Millionen Kilometer von unserer Erde entfernt, wird man wohl hier oben einen andern Speisezettel haben als bei uns unten am Strande des Neckars.“
„Stiller, Sie setzen sich als Präses oben hin,“ entschied Brummhuber, als Professor Stiller in gewohnter bescheidener Weise sich zwischen den andern Kollegen niederlassen wollte.
„Natürlich!“ pflichtete Professor Piller bei. „Ehre, wem Ehre gebührt! Unser Freund Stiller hat seine Sache bis jetzt ganz ordentlich gemacht, er stehe deshalb auch ferner unserer Korona vor!“ Mit diesen Worten goß er sich von dem Inhalt der vor ihm stehenden Karaffe etwas in seinen Pokal ein und hielt ihn prüfend an die Nase.
„Hm . . . hm! Der Trank riecht wirklich nicht übel . . . hat feines Bouquet.“ Vorsichtig nahm er einen Schluck.
„Es ist Wein, tatsächlich Wein und zwar so eine Art Trockenwein, beinahe wie Sherry, nur noch bedeutend feiner und milder,“ entschied Piller, nachdem er getrunken. „Von schlechten Eltern stammt er nicht, aber mein Zuckerle ist entschieden süffiger als dieser Marstropfen. Immerhin, er kann bleiben, wie er ist; lieber solchen Wein als gar keinen!“
„Seien Sie froh, Piller, Sie Alkoholiker, daß Sie überhaupt etwas zu trinken haben! Wir sind doch wahrlich nicht des Weines wegen nach dem fernen Mars gekommen!“ warf Professor Dubelmeier ein. „Ihr ewiger Durst und Ihre unstillbare Sehnsucht nach dem Zuckerle hätten Sie eigentlich da unten auf der Erde festhalten sollen.“
„Schweigen Sie, Sie fanatischer Anhänger des Göppinger Wassers!“ rief Piller voll Grimm. „Was verstehen Sie denn von . . .“
Aber Professor Stiller ließ den Zornigen nicht ausreden. Er erhob sich. „Meine lieben Freunde! Ich bitte um Ruhe und Frieden und wünsche Ihnen allerseits einen recht gesegneten Appetit zu dem bevorstehenden Mahle. Weihen wir unserer glücklichen Ankunft auf dem Mars den ersten Schluck! Der zweite soll dem Gedenken an unsere engere und weitere Heimat, dem lieben Schwabenlande und Deutschland, gelten. Bitte, füllen Sie ihre Pokale und tun Sie mir Bescheid!“
„So, das laß ich mir gefallen,“ brummte Piller; „Stiller ist wirklich ein vernünftiger Knabe.“
„Und nun, meine Freunde, setzen wir uns zum Mahle!“ Nach dem Beispiele des Alten von vorhin klatschte Herr Stiller in die Hände, und herein traten sieben Diener, für jeden Herrn einer. Sie trugen Platten in den Händen, auf denen wohlriechende Fische lagen. Herrn Pillers Zorn verrauchte schnell angesichts der warmen, so einladenden Speise. Er und die übrigen Herren langten tüchtig zu. Alle waren darüber des Lobes voll, daß die Fischspeise ausgezeichnet geschmeckt habe.