Ich ahne ein Verbrechen, ich schreie: „Mordio!“ Hier liegt ein Ritualmord vor! Ein krasser Fall von Soldatenmißhandlung.

Ausflug

Auf einem meiner Spaziergänge durch das Weltall stolperte ich über den Schicksalsbaum, der in solid-arischen Zeiten Weltesche Ygdrasil hieß, nun aber längst blattlos verschrumpft, zwerghaft verkommen ist und von den Rittern des Raumes „Baum im Elend“ genannt wird. Klein erschien er meiner hungrigen Seele, und auch ein Webstuhl der Zeit, an dem Baum mechanisch befestigt, wollte auf mich keinen besonderen Eindruck machen. Zunächst darum, weil dieser Webstuhl der Zeit keinswegs sauste, sondern sich als versonnen einen Abgrund überhängendes Spinnennetz darstellte, in dem überwältigt, fliegengleich eingesponnen, linsengroß Ur-Sonnen hingen und auch, kaum erkennbar, wie verrückt sich abzappelnd, die Laus „Erde“. In der Mitte des Netzes ein Fettpatzen, schwarz wie die Notwendigkeit: die Riesenspinne „Zeit“. Ich wollte ihr eine Nadel in den Hinterleib stechen, aber das darf nur der Finger Gottes.

Nitimur

Nitimur, ein wohlriechender Künstler, Erbauer der sechs großen Stockwerke, sah eines Tages die wohlwandelnde Königstochter Inve, und nicht genug daran: er wagte es, seine Augen zu ihr zu heben, die auf dem hochgelegenen Steige der Königstöchter knabenleichten Schrittes zur Lust tief und tiefer unten Wandelnder und also auch wohl zur eigenen Lust einherschwebte. Ja, er gewann es über seine in welcher Niedrigkeit aufgeschossene Seele, daß er den dick anschwellenden Kotsee und den jäh darauffolgenden Eisberg der vermeintlichen Glückseligkeit durchschwamm und erstieg.

Diese beiden Stoffe nämlich, Kot und Eis, ausgezeichnet sowohl durch die Menge, in der sie sich an den genannten Orten befinden, als auch durch andere Eigenschaften, sind dazu bestimmt und geschaffen, die Wege der wohlwandelnden Königstöchter und der wohlriechenden Künstler zu trennen.

Wohl war, wie ihr alle recht gut wisset, in diesem unseren Königreich Titumsem die schreckliche Strafe der Spiegelentziehung auf das

Erklimmen der Scheideflächen gesetzt. Nitimur aber mag vor, während und nach deren Durchquerung wenig an ein Selbstbespiegeln gedacht haben. Vielmehr: an dem Ort seines Strebens, in welchem Aufzuge, angelangt, warf er sich rücklings zu Boden, auf den heiligen Boden des Einherschwebens der Königstöchter, und schlug ihn dreimal mit dem Hinterhaupt. Dies ist die Art, mit der in diesem unseren Königreich Titumsem Hohlheit und Wohlriechenheit gewiesen wird. Inve konnte nicht anders, sie mußte eine Zeiteinheit lang ihr Einherschweben in ungleichförmig verzögerter Geschwindigkeit vor sich gehen lassen — gewöhnlich bewegen sich nämlich die Königstöchter in diesem unseren Königreich Titumsem gleichförmig verzögert — und eine weitere Zeiteinheit lang tat sie sich die Mühe, ihre konkaven Wangen in dem Blaurot des höchsten Unwillens erröten zu lassen. Nitimur nun — war es Absicht oder Unfall? Meine der Verehrung wohlwandelnder Königstöchter sicherlich zuneigenden Zeitgenossen werden mir wohl recht geben, wenn ich steif und fest behaupte, daß es nicht seine Absicht war, und ebenso dürften meine dem Glauben an das Walten einer ursittlichen Welthausordnung

herzhaft geneigten Zuhörer meiner wohlweisen Meinung sein, wenn ich statt Zufall Unfall sage.

Nitimur nämlich, der wohlriechende Künstler, rutschte, von der Blauröte des höchsten Unwillens scheinbar gleichgültig durchstrahlt, mit gleichförmig beschleunigter Geschwindigkeit den Gletscher der anscheinenden Glückseligkeit hin und überschlug sich unter den spaßhaftesten Purzelbäumen und Kapriolen im darauffolgenden Kotsee. Wieder unten auf der Straße wohlriechender Künstler angelangt, begab er sich aber nicht in seine sechs großen Stockwerke, denn er wußte wohl, daß ihm sämtliche Spiegel mittlerweile entfremdet worden waren.