Inhalt.

I. Abhandlung. Seite
Einleitung [3]
 1. Die Elemente der deutschen Familiennamen (dreifache Schicht) [9]
 2. Die Personennamen überhaupt — ein Spiegel des Volksgeistes. Namen der Griechen, Römer, Israeliten [9]
 3. Die altgermanische Namenwelt [12]
 4. Übereinstimmung der deutschen Namengebung mit der griechischen [19]
 5. Weiterentwickelung der altdeutschen Personennamen. Ihre Lebenskraft [20]
 6. Fremdsprachige (kirchliche) Namen [24]
 7. Das Festwerden der Namen: Bildung der Familiennamen [26]
 8. Altdeutsche Vollnamen als Familiennamen [30]
 9. [Sproßformen der altdeutschen Vollnamen als Familiennamen:]
a) Kürzungen und Verkleinerungen [32]
b) Genetivische Namen [34]
10. Kirchliche Personennamen als Familiennamen [36]
11. [Familien-Namen der dritten Schicht:]
a) Stand und Gewerbe [39]
Werkzeuge und Kleidungsstücke [44]
Speisen [46]
12. [Familiennamen der dritten Schicht:]
b) Eigenschaften [47]
Körperteile [49]
Satznamen [50]
13. [Familiennamen der dritten Schicht:]
c) Herkunft und Wohnstätte [53]
Adelsnamen [58]
Häusernamen [59]
14. Würdigung der deutschen Familiennamen nach Gehalt und Form [62]
15. Latinisierungen [63]
16. Jüdische Namen [66]
17. Französierungen, Polonisierungen und andere Metamorphosierungen der Neuzeit [68]
18. Geographische Verbreitung der deutschen Familiennamen [70]
19. [Genauere Angabe der Verteilung der Familiennamen:]
a) Niederdeutschland [73]
b) Oberdeutschland [78]
20. Stillstand oder Bewegung in der Namenwelt? [84]
Beilage 1. Godeberaht [85]
„   2. Entwickelung einer Namenreihe während der Neuzeit [87]
„   3. [Fremdsprachige Namen in Deutschland:]
a) Slawische [88]
b) Littauische [90]
c) Romanische [91]
II.
Namen-Lexikon [93]

I.
Abhandlung.

Einleitung.

Unsere Geschlechts- oder Familien-Namen erscheinen uns, wenn wir genauer nach ihrem eigentlichen Sinne fragen, in der weitaus größten Zahl rätselhaft und unverständlich. Denn was bedeuten Namen wie z. B.: Hildebrand, Gundlach, Odebrecht, Rüdiger, Amelung? Ist das nicht, wie wenn eine Reihe von Rittern vor uns aufmarschierte, aber alle mit geschlossenem Visier? Oder kürzere Namen wie: Renz, Wenz, Benz, Bopp, Dapp, Rapp, Rupp, Dromtra, Krumtum, Zumtrum! Wird uns da nicht zu Mut, als ob wir einen Chor wunderlicher Kobolde sähen, die uns neckend umhüpfen?

Nun, wir wollen es einmal versuchen, ob wir den Rittern ihr Visier nicht öffnen, ob wir die neckischen Kobolde nicht zwingen können, daß sie uns standhalten und Namen und Abkunft sagen.

Denn ein merkwürdig und wunderlich Ding ist es im Grunde doch, daß der Mensch in seinem Namen so einen Begleiter durch das Leben erhält, der ihm stets mit geschlossenem Visier zur Seite geht, einen Gefährten, der ihn von der Wiege bis zur Bahre geleitet, siebenzig, achtzig Jahre lang, und dennoch in seinem Wesen nicht erkannt wird, stets nur sein Äußeres, nie sein Inneres aufweist — dessen wahre Gestalt also verborgen bleibt. Und doch bewahren wir den unerkannten Begleiter so sorgsam, wir dulden es nicht, daß er in irgend etwas verkürzt werde, daß ihm ein Buchstab, sollte er auch für die Aussprache nichts verschlagen, genommen oder zugesetzt werde, wir bewahren den Namen mit allen unorthographischen ck und tz und dt.

So wachen wir sorglich über die äußere Gestalt und Hülle, und um den inneren Gehalt und Kern sollten wir uns nicht bekümmern, nie danach fragen?

Etwas Bedeutungsloses ist ein solcher Name jedenfalls nicht, so sinnlos und bedeutungsleer er auch vielfach scheinen mag. Es ist kein leerer Schall, welcher rein der Willkür und der Laune des Zufalls sein Dasein zu verdanken hätte. Etwas — das kann hier im voraus versichert werden — etwas bedeutet von Hause aus ein jeder Name, und dieser Satz behält seine Wahrheit auch gegenüber den tausenden unserer Familiennamen, die uns so dunkel und unverständlich klingen.