Und der Kalender antwortete: »Wenn einer nicht nur das Gesetz, sondern auch die Überlieferung außer acht ließe, müßte denn der nicht zu den Ungläubigen gezählt werden?«
228.
ALs der Hodscha einmal ackerte, riß ein Riemen. Sofort wickelte er seinen Turban ab, band ihn an die Stelle des Riemens an den Ochsen und den Pflug, packte den Stachel und trieb den Ochsen an; der nahm einen Ruck, so daß der Turban auf Stücke ging, und kehrte sich um. Da schrie der Hodscha: »So ein dummes Vieh! zieht es an einem Turban ebenso stark wie an einem Riemen!«
229.
DEr Hodscha erging sich eines Tages mit seinem Sohne, als sie einem Leichenzuge begegneten; und hinter dem Zuge kam die junge Gattin des Verstorbenen, die ihren Schmerz in bittern Klagen ausströmte: »Noch heute hat er gegessen, getrunken und unter der Decke geschlafen; und jetzt bringt man ihn an einen Ort, wo es nichts zu essen gibt und nichts zu trinken, keine Decke, kein Bett, ja nicht einmal eine Matte.«
»Vater,« sagte der Sohn des Hodschas, »bringt man den Toten zu uns?«
230.
IN einer fremden Stadt sah der Hodscha einmal einen Nußbaum. Da er einen solchen Baum nicht kannte, blieb er voll Verwunderung stehn; endlich schlug er einige Nüsse in ihrer grünen Schale herunter und biß ohne weiters in eine hinein. Sie schmeckte gar bitter und er gewahrte, daß sein Mund anschwoll; da sagte er voller Unruhe: »Farbe und Form sind so wie bei den Zwetschen; sollte ich vergiftet sein? Da steckt irgendeine Schurkerei dahinter. Ach, ihr Aussehn ist recht trügerisch!«
231.
ES war einmal ein Geiziger, der jahraus, jahrein nichts andres aß als Hammelkopf; darum wurde er eines Tages gefragt: »Warum ißt du eigentlich weder im Sommer, noch im Winter etwas andres?«