Sie fragten ihn: »Wie das?«, und er antwortete: »Ich weiß es aus Erfahrung: als ich meinen Kaftan im Winter gewaschen habe, brauchte er drei Tage, um zu trocknen; dann habe ich ihn an einem Nachmittag im Sommer gewaschen und da war er noch vor Nacht trocken.«

240.

EInmal sagte der Hodscha: »Zwischen der Jugend und dem Alter ist kein Unterschied.«

Man fragte ihn: »Wieso denn?«, und er antwortete: »Vor unserer Tür liegt ein Stein; nur wenige Leute sind imstande, ihn zu heben. In meiner Jugend habe ich versucht, ihn zu heben, und es ist mir nicht gelungen; später und dann jetzt, wo ich ein Greis bin, ist mir das eingefallen, und ich habe es von neuem versucht, aber ich habe ihn wieder nicht heben können. Diese Erfahrung ist es, warum ich sage, daß zwischen der Jugend und dem Alter kein Unterschied ist.«

241.

DEr Hodscha Nasreddin — Gottes Barmherzigkeit über ihn — war vor kurzem aus diesem vergänglichen Leben in eine bessere Welt abgeschieden; sein erlauchtes Grab war neben einer ehrwürdigen Moschee. Als nun an einem Freitage das Volk zum Gebete versammelt war, hörte man plötzlich eine jauchzende Stimme: »Muselmanen, der Hodscha Nasreddin hat sein Grab verlassen; er reitet auf seinem Grabsteine, er schreit und ist lustig.«

Auf diese Worte hin liefen die Gläubigen aus der Moschee, und augenblicklich stürzte hinter ihnen die Kuppel ein; niemand erlitt auch nur die geringste Verletzung.

Ihr erseht, meine Freunde, eine wie hohe Stelle der erlauchte und glorreiche Hodscha Nasreddin unter den Heiligen einnimmt, die Gott den Allmächtigen umgeben, da ihm erlaubt worden ist, sogar nach seinem Tode Wunder zu tun.

Über ihn sind viele glaubwürdige Geschichten aufgezeichnet worden; aber noch zahlreichere sind mit Unwahrheiten behaftet. Gott weiß, wie es damit steht! Aber erinnern wird man sich seiner bis zu dem Tage des jüngsten Gerichtes!

Die Barmherzigkeit Gottes sei mit ihm, die Barmherzigkeit und die Verzeihung!