EIn Baderjunge hatte sein Schermesser verloren; weinend und das Gesicht in den Händen verborgen lief er herum und schrie: »Ach, das Schermesser! Ach, das Schermesser!«
Der Hodscha, der dabei war und das hörte; sagte sich: »Zweifellos hat man diesem Diebe die Nase abgeschnitten!«
302.
DEr Hodscha war gestorben und man legte ihn in ein altes Grab. Nachdem die Leute auseinandergegangen waren, kamen Munkar und Nakir101, um ihn zu befragen, und er sagte zu ihnen: »Wenn ihr wollt, daß ich sprechen soll, so gebt mir einen Asper.«
Auf diese Rede versetzten sie ihm einen derben Streich. Nun schrie er: »He, Freunde, wenn ihr kein Geld habt, kommt ein andermal wieder.«
Und damit erwachte er; denn alles war nur ein Traum.
303.
DEr Hodscha kam einmal in ein Dorf; die Einwohner, denen er auffiel, sagten zu ihm: »Da du ein Würdenträger bist, so komm über einen Toten die Gebete zu sprechen.« Er ging mit ihnen und verrichtete alles, was bei einer Leichenfeier geschehn soll; doch begnügte er sich damit, den Schlußausruf: ›Gott ist groß‹ nur einmal zu singen. Dessenungeachtet bezahlte man ihn und er entfernte sich.
Nun machte ein Städter, der auch anwesend war, die Bauern aufmerksam, daß diese Anrufung über einem Toten viermal wiederholt werden soll. Da liefen sie dem Hodscha nach und erhoben, als sie ihn eingeholt hatten, ihre Einwendungen.
Der Hodscha fragte sie: »Den wievielten haben wir heute?«