Eine ältere122 Version dieser Erzählung steht in dem Latifeh nameh des 1531 verstorbenen Türken Lamii; sie ist bei Cardonne, Melanges de Littérature Orientale, Paris, 1770, II, S. 82 übersetzt ( Versuche der Orientalischen Litteratur, Breslau, 1771, S. 222 ff.). Eine noch ältere ist uns in der 65. Facetie Arlottos (I, S. 151 ff. und 221 ff.) bekannt. Hans Sachs hat den Stoff zweimal behandelt: am 5. Mai 1550 als Meistergesang Der schneider mit dem paner, dann am 21. Juli 1563, mit einer andern Erzählung verbunden, als Spruchgedicht Der schneider mit dem panier (Schwänke, V, S. 74 ff. und II, S. 472 ff.); die jüngere Fassung ist breiter ausgeführt als die ältere.

A. L. Stiefel hat in den Hans Sachs-Forschungen, Nürnberg, 1894, S. 80 ff. als Quelle Hans Sachsens die Facetie Arlottos bezeichnet; dies wohl nur in Unkenntnis der Abhandlung Cloustons The Tailor’s Dream in den Popular Tales and Fictions, II, S. 79 ff. Dort wird nämlich unter anderm die humoristische Schilderung eines Turniers zwischen einem Schneider und einem Schuster angeführt, die den 1520 verstorbenen schottischen Dichter William Dunbar zum Verfasser hat; und das Banner des Schneiders wird also beschrieben:

His banner borne was him before,

Wherein were clouts a hunder score,

Ilk ane of divers hue;

And all stolen out of sundry webs; —

For while the sea flood fills and ebbs,

Tailyors will never be true.

Wenn nun auch Clouston von der falschen Annahme ausgeht, die Facetien Arlottos seien erst 1520 zum ersten Male in Druck erschienen, so scheint mir doch das Resultat seines Schlusses richtig, daß nämlich die Verse Dunbars auf ein altes Mönchsexempel zurückgehn, und dies um so mehr, als wir bei der Untersuchung von Ar lottos Quellen gesehn haben, daß bei Arlotto eine ganze Reihe von Predigtmärlein bearbeitet ist. Dieses Märlein kann dann auch in letzter Instanz die Quelle Hans Sachsens gewesen sein, und diese Lösung ist sicherlich befriedigender als die Annahme Stiefels, wonach Hans Sachs an der Facetie Arlottos ziemlich viel geändert haben müßte.

Ein Gedicht von John Harrington († 1612), Of a Precise Tailor ist aus The most Elegant and Wittie Epigrams, London, 1633 bei Ashton, S. 32 ff. und Clouston, a. a. O., S. 80 ff. abgedruckt. Weitere Nachweise geben Bolte bei Frey, S. 256, Note und Chauvin, III, S. 38; einige stehn auch bei Hans Sachs, V, S. 74. Eine moderne italiänische Version findet sich bei J. Nieri, Racconti popolari lucchesi, Castelnuovo di Garfagnana, 1891, S. 157 ff., Nr. 43; Patron Bandiera.