Man erzählt von einem Manne, der sich für einen Propheten ausgab; zu dem sagte einer seiner Freunde, der einäugig war: »Was ist das Zeichen deines Prophetentums? was sind deine Wunder?« »Mein Wunder ist dieses: du bist einäugig; ich will dir auf der Stelle das gesunde Auge herausnehmen und den Herrn bitten, auf daß du sehest.« Der andere antwortete: »Ich glaube, daß du ein Prophet bist.«

Al Abschihi erzählt im Mustatraf (Basset in der RTP, XIII, S. 490 ff.):

Zur Zeit al Mamuns123 gab sich ein Mann für einen Propheten aus, und zwar wollte er Abraham sein, der Freund Gottes. Der Chalif sagte zu ihm: »Abraham hat Wunder und Zeichen getan.« »Was für Zeichen?« »Man zündete ein Feuer an für ihn, und sie warfen ihn hinein; aber die Flamme ward ihm eine Kühlung und eine Segnung124: wir wollen für dich einen Scheiterhaufen anzünden und dich hineinstürzen; wenn es dir so geht wie ihm, werden wir an dich glauben.« »Ich möchte lieber etwas leichteres.« »Die Zeichen von Moses?« »Was sind das für Zeichen?« »Er warf seinen Stab hin, und der wurde zur Schlange125, er schlug das Meer, und es teilte sich126, und er steckte seine Hand in den Busen, und sie war weiß127.« »Das ist noch schwerer für mich als das erste Zeichen.« »Die Zeichen von Jesus?« »Was sind die?« »Die Toten zu erwecken128.« »Du sagst das richtige: ich will dem Kadi Jachja ibn Aktani den Kopf abschlagen und werde ihn dir im Augenblicke wieder zum Leben erwecken.« Da schrie der Kadi: »Ich bin der erste, der an dich glaubt.«

Als älteste Version zitiert aber Basset an der zuletzt genannten Stelle das Kitab al ikd al farid von Abdirabbihi. Andere Parallelen stehn bei Clouston, Flowers, S. 35 ff. (Saadi), Gladwin, The Persian Moonshee, II, S. 16, Nr. 37 und Galland, S. 20; vgl. auch zu der Erzählung Abschihis Roda Roda, S. 40.

198. Sottisier, Nr. 132.

199. Sottisier, Nr. 133.

200. Sottisier, Nr. 134.

Vgl. die 51. Facetie Arlottos (I, S. 130 ff.).

201. Sottisier, Nr. 135.

Von dieser Geschichte gilt wohl dasselbe, was Bolte bei Hans Sachs, III, S. XI von dem Meistergesange Die leren geltseck (ebendort, S. 369 ff.) sagt, daß sie nämlich in letzter Instanz auf die 412. Fabel Aesops: Φιλάργυρος zurückgeht; vgl. dazu noch Aesopi Phrygis et aliorum fabulae, Venetiis, 1539, Bl. 97 a: Auarus, Camerarius, Fabulae aesopicae, Lipsiae, 1570, S. 106: Avarus, schließlich auch die 194. Novelle Sacchettis und weiter Clouston, Popular Tales und Fictions, I, S. 61 ff.