DEm Hodscha wurde einmal ein gesalzener Käse gestohlen; augenblicklich lief er zum Quellbrunnen. Man fragte ihn: »Was suchst du denn hier in solcher Hast?«
Der Hodscha antwortete: »Hierher kommt man allemal, sobald man gesalzenen Käse gegessen hat; ich tue es selber. So wird auch mein Dieb, wann er ihn gegessen hat, nicht verfehlen, ungesäumt herzukommen.«
129.
EIn andermal legte man dem Hodscha Nasreddin-Effendi eine Frage über den Aprikosenbaum vor; »Was ist das für ein Baum?« fragte man ihn.
»Ursprünglich«, antwortete der Hodscha, »trug er Eier; dann hat ihn der Hagel hart getroffen und das weiße heruntergeschlagen, so daß das gelbe bloß geblieben ist, wie ihr es jetzt seht.«
130.
DEr Hodscha Nasreddin spielte gut Schach und gab gelegentlich gern den Spielern Ratschläge; einmal aber ärgerte er sich und schwur, seine Frau zu verstoßen, wenn er sich wieder mit seinen Ratschlägen einmengen werde. Ein paar Tage darauf kam er auf seinem Spaziergange an einen Ort, wo gerade ein Spiel im Gange war; er trat näher und sah zu, und nun bemerkte er, daß der eine Spieler hätte anders ziehen sollen, als er getan hatte. Da riß ihm auch schon die Geduld und er sagte: »Aber Mensch, stell doch deine Königin auf das nächste Feld, und du gibst ein Matt.«
Da sagten die Leute dort: »Wieso getraust du dich zu reden, Hodscha? hast du nicht geschworen, deine Frau zu verstoßen, wenn dir das geschehn sollte?«
Der Hodscha antwortete: »Es war nur im Scherze, daß ich dreingeredet habe; geheiratet habe ich übrigens auch nicht anders.«
131.