„Mutter, da ist der Briefträger!“ rief er eifrig aus. „O, darf ich schnell hinunterlaufen? Er hat vielleicht einen Brief von Tante Toni!“
„Ja, geh nur. Aber sei so gut und bringe mir den Brief uneröffnet. Du weißt, es schickt sich nicht, daß Kinder die Briefe ihrer Eltern öffnen.“
Kurt wurde rot und sprang hastig hinaus. Wenige Augenblicke später stürzte er wieder ins Zimmer und schrie, wie im Triumph einen Brief hochhaltend: „Hurra, ein Brief aus Walden; der ist sicher von Tante Toni!“
Die vier Kinder drängten sich an die Mutter heran.
„Schnell, Mütterchen, mach' auf und sieh, ob sie kommt!“
„Nur gemach, nur gemach, Kinder!“ wehrte diese lächelnd, aber sie beeilte sich doch sehr mit dem Öffnen des Briefes; sie wartete ja selbst mit Sehnsucht auf den Besuch ihrer Schwester, der schon lange geplant war, aber wegen eines Unwohlseins ihres Vaters schon mehrmals hatte verschoben werden müssen.
Schnell durchflog sie den Brief und rief dann freudig aus: „Ja, Kinder, die Tante Toni kommt, und zwar schon morgen!“
Diese Nachricht wurde mit einem solchen Freudengeschrei begrüßt, daß die Mutter sich die Ohren zuhalten mußte.
„Kommt der Großpapa auch mit?“ fragte Paul, Kurts Zwillingsbruder.
„Nein; Großpapa geht zu seiner Erholung für ein paar Wochen zu Onkel Karl und zu Tante Klara aufs Land; deshalb kann Tante Toni diesmal etwas länger bleiben.“