Ein paar bauliche Reste haben sich in späteren Moscheen erhalten. Da sei vor allem die bekannte kleine, jetzt S. Cristo de la Luz, genannt, deren Schiff ([Abb. 109], Tafel XXX) rein quadratisch, mit Außenmauern aus großen Quadern und Zwischenlagen von Backsteinschichten, durch Hufeisenbögen auf vier mittleren Säulen in neun kleine Quadrate geteilt, wohl die alte kleine Kirche gebildet haben kann; also eine Zentralanlage (die Apsis oder Apsiden durch eine spätere Erweiterung verdrängt). Die kurzen Säulen mit ihren derben gekerbten und recht rohen Kapitellen von ganz ungleicher Bildung, der Westgotenzeit angehörend, dürften in der Tat noch an ihrem ursprünglichen Platze stehen. Jetzt sind darüber maurische (sehr frühe) Gewölbe mit Mittelkuppel.
Portugal
Auch in anderen wichtigen Städten sind der Steinüberreste noch genug in den Museen vorhanden, so in Murcia, Valencia, Tarragona, Barcelona, Zaragoza, Leon; Toulouse, Carcassonne, Narbonne, Arles, Nimes, Aix, Marseille; ebenso in Lissabon, wo der Stil nach Merida hinüber weist; einige Sonderarbeiten ebenfalls gekerbter Art, die anders aussehen, auch Tiere darstellen, könnten den Sueben des Nordwestens zuzurechnen sein. In Guimarães und in der Gegend von Braga allerlei ähnliche Reste, da Athanagild in jener Gegend viel gebaut haben soll, dessen Zeit 560 zugeschrieben. Ein Dorf trägt sogar dieses Königs Namen. In Guimarães (Museum) ein merkwürdiges Überbleibsel in Quadern, wohl ein Stück der Apsis einer Kirche, Flechtbänder als Gesimse und um das Fenster, das noch mit einem ganz flach gekerbten mäanderartigen Bande eingefaßt ist; ein Dokument selbständig ausgebildeter Architektur aus jener Zeit. (Merkwürdigerweise dort den alten Iberiern zugeschrieben.)
Baños
Von allen Bauwerken aus der Zeit vor dem Einbruche der Araber scheint in Spanien nur ein einziges vollständig übrig geblieben zu sein: die Kirche S. Juan Bautista zu Baños de Cerato ([Abb. 110]). Dieses mitten in Altkastilien bei Palencia gelegene Gotteshaus ist von Reccesvinth im Jahre 661 gebaut, da dieser König sich in der nahe dabei gelegenen Heilquelle vom Steinleiden gesund gebadet hatte, derselbe, dessen Namen auch die schönste der Goldkronen des Schatzes von Guarrazar trägt. Die kleine Basilika darf daher als eines der für alle Germanen historisch wichtigsten Bauwerke betrachtet werden; jetzt wieder vortrefflich hergestellt gibt sie uns neben Cividale das einzige völlig erhaltene Beispiel eines in einem während der Völkerwanderungszeit gegründeten germanischen Reiche in dessen kräftigster Entwicklung erbauten Gotteshauses. — Und zwar eines solchen von Kunstwert und ungemein sprechender Charakteristik.
Abb. 110. Baños. S. Juan Bautista.
Abb. 111. Baños. S. Juan Bautista.
⇒
GRÖSSERES BILD