Einen wohl ursprünglich gleicher Zeit angehörenden Bau, doch dann der arabischen Zerstörung anheim gefallen und nachher von Mönchen aus Toledo wieder aufgebaut, 913 neu geweiht, finden wir in der Umgebung von Leon: S. Miguel de Escalada ([Abb. 118]). Ebenfalls eine dreischiffige Säulenbasilika mit je vier freistehenden und zwei angelehnten Säulen unter jeder Mittelschiffwand; alle Bögen von Hufeisenform. Hier aber besteht die Ostpartie nicht aus drei rechteckigen, sondern drei im Grundriß hufeisenförmigen Apsiden nebeneinander. Eine fernere Besonderheit des Innern ist die Abtrennung eines querschiffartigen Raumes durch eine Bogenstellung quer durch die Kirche vor Altar und Apsiden, im Mittelschiff auf zwei Säulen ruhend, ganz jener in Italien verbreiteten Gepflogenheit entsprechend, die wir in Torcello wie in den alten langobardischen Kirchen fanden; also der Abgrenzung eines Heiligen durch Schranken und Säulenteilung ([Abb. 119], Tafel XXXII).
Die rundbogigen Fenster des Obergadens sind abwechselnd ganz schmal und etwas breiter, ein Rhythmus, der vielleicht auf völligen Neubau der oberen Teile nach 913 deutet.
Die Hufeisenform des Apsisgrundrisses ist kaum weniger bemerkenswert; sie tritt an germanischen Kirchen in allen Ländern, insbesondere genau wie hier in der Schweiz auf, an italienischen Kirchen bereits mehrfach von uns erwähnt (vergl. [Abb. 160]).
Interessant sind manche Kapitelle des Schiffes, von denen die meisten wohl der Zeit des Wiederaufbaus angehören, manche aber gewissen langobardischen des 8. Jahrhunderts sehr ähnlich sehen. Vielerlei Reste von Ornamenten und sonstige Einzelheiten reden von einer einst reicheren Ausstattung der heute sehr bescheidenen Kirche, die bei der Herstellung auch eine Art Kreuzgang, eine offene Halle auf Hufeisenbögen nach Süden zu erhielt.
Insbesondere muß sie einst reiche Schranken besessen haben; auch eine durchbrochene Fensterplatte mit Hufeisenöffnungen ist noch vorhanden.
Peñalba
Möglicherweise gehört auch noch hierher die ganze kleine merkwürdige Kirche von Santiago de Peñalba weiter im Norden, wie die letztgenannte nahe bei Leon; einschiffig und kreuzförmig im Grundriß, doch mit zwei Apsiden, nach Osten und Westen, letztere im Unterteil einer Art von Turm. Die beiden Apsiden sind ebenfalls von hufeisenförmigem Grundplane. Die Eingänge liegen nach Norden und Süden im westlichen der zwei Joche des Schiffes; die Gewölbe sind Tonnengewölbe. Hier ist nur der Grundriß von Bedeutung; charakteristisch aber auch die Anlage von Strebepfeilern zur Stütze des Gurtbogens, was dafür spricht, daß die Kirche in ihrer jetzigen Erscheinung wohl eher dem 9. Jahrhundert zuzuschreiben sein mag.
Asturische Bauten der Spätzeit
Diese letzte Zeit ist hier von höchster Bedeutung, denn ihr verdanken wir die ausgezeichnetsten Werke der germanischen Baukunst in Spanien überhaupt. Mit dem Eindringen der Araber erlosch diese ja keineswegs, vielmehr gewann sie in einem nördlichen Winkel des Landes noch eine Fortsetzung ihres Daseins, in der sie sich in reifer durchgebildeter und weit klarerer Form auszusprechen vermochte, als bisher, so weit die vorhandenen Denkmäler der älteren Zeit ein Urteil hierüber zulassen.
Es handelt sich um die ältesten christlichen Bauwerke Asturiens, des von dem gewaltigen kantabrischen Randgebirges umschlossenen engen Nordwinkels Spaniens, welcher den wenigen geretteten Westgoten nach der Schlacht am Guadalete die letzte Zuflucht bot, und von wo aus in der Folge die Wiedereroberung des ganzen Landes bis zur Besiegung der letzten Mauren (1492) ihren Anfang nahm.