Der Graf Cancor und seine Gattin Wiliswinda waren die Patrone des Klosterbaus, der nur eine Übertragung des etwas älteren nahe gelegenen Altenmünster an eine bessere Stelle war.
Abt Chrodegang, aus Frankreich nach Metz gekommen, ein hochgebildeter Kirchenfürst, war ein eifriger Bauherr; auch die Metz nahen Klöster von Gorze und St. Avold, die sich später großen Rufes erfreuten, sind seine Schöpfungen. Die ganze Anlage von Lorsch war aber eine der prächtigsten und geschlossensten: hinter dem stattlichen noch stehenden Torbau stieg ein von Hallen flankierter Vorhof zu dem Narthex der großartigen Klosterkirche auf. Diese wird in zeitgenössischen Berichten als geradezu prachtvoll gerühmt, besaß zwei Fronttürme zu seiten einer Vorhalle, dahinter drei Schiffe, durch Säulen getrennt, und war von reicher Ausstattung. Das bedeutende Werk fiel 1090 einem riesigen Brande gelegentlich eines Kirchenfestes ganz zum Opfer. Nichts blieb als der vorderste Klostereingang; auch das Kloster selbst verschwand; die drei von der nachher erbauten romanischen Kirche übrigen Joche dienen heute als Tabakspeicher.
Aber die Halle zeigt uns, daß wir wirklich Bedeutendes verloren.
Ihre vordere Front öffnet sich unten in drei breiten Bögen auf Pfeilern, vor denen komposite Dreiviertelsäulen stehen von fast streng römischer Architektur, wie man solche etwa an antiken Theatern gewöhnt ist, nur des Gebälkes entbehrend, an dessen Stelle ein friesartig verziertes Gesims getreten ist. Darüber ein Oberstock mit jonischen Pilastern, über denen Spitzgiebel statt Bögen in einer Reihe von Kapitell zu Kapitell laufen. Das Ganze trägt ein prachtvolles Konsolengesimse, das an den schmalen Seiten antike Dreiecksgiebel bildete, in den Formen und der Anwendung ziemlich genau dem an St. Jean zu Poitiers entsprechend. Die ganze Fläche des Oberstocks und über den Pilastern ist mit bunten Steinmustern aus Drei- und Sechsecken geschmückt. Die Rückseite entspricht der Vorderseite; der schmale Bau mag einst innen einen offenen Dachstuhl oder eine horizontale Decke gehabt haben; seine oberen Fenster scheinen neu; wahrscheinlich hatte er solche an den Schmalseiten.
In diesem Bau ist die Anlehnung an die römische Baukunst eine so starke, die Wirkung eine so völlig antike, daß man hier wohl den eigentlichen Anfang der „karolingischen Renaissance“ zu erblicken hat, die jedoch in keinem Bau Karls des Großen mehr eine solche Klarheit erreicht. Die Kompositakapitelle sind fast antik; die jonischen freilich in ihren flachen nur angedeuteten Eierstäben wohl leicht als spätere Nachahmung zu erkennen, doch nach antiker Art kanelliert, ebenfalls noch streng in der Wirkung; nicht weniger das Konsolengesims. Nur die Reihe der Dreiecksgiebel und der bunte Hintergrund der Pilaster spricht die Sprache der Merowingerkunst.
Abb. 149. Torhalle zu Lorsch. Nach Adamy.
Trier
Hier müssen wir die Erwähnung eines weiteren bedeutsamen merowingisch-fränkischen Werkes auf deutschem Boden einschalten, das außer der Linie der seither erwähnten Bauwerke steht: der Wiederherstellung des Domes zu Trier durch Bischof Nicetius seit 527. Dieser Priester fand bei seinem Amtsantritt den alten Dom, der hundert Jahre früher aus einer römischen Gerichtshalle zu der Hauptkirche der alten römischen Kaiserstadt verwandelt war, durch die salischen Franken gänzlich verwüstet und zusammengestürzt vor, und baute den großartigen Tempel möglichst in der alten Form wieder auf. Er errichtete von neuem die mittleren vier großen Säulen mit den Quer- und Längsbögen darüber, die den riesigen Raum teilten, nebst Dachwerk und einer schönen Inneneinrichtung; auch hier wurde später der Teil für die Priester durch Schranken in einer Behandlung, die der langobardischen nahe steht, abgeteilt. Die großen Säulen haben noch fast antik gebildete Kapitelle mit Masken an den Ecken, gleichzeitigen ravennatischen ähnlich. Der ganze Raum wurde dann verputzt und sehr farbig, noch halb antik-römisch ausgemalt, wovon Überreste genug zeugen, auch mit Marmorfußboden versehen. Es ist hier überall die spätantike Tradition maßgebend, der Bau auch vermutlich durch italienische Arbeiter ausgeführt, so daß von fränkisch-germanischer Art nur die Reste der jüngeren Schranken und einige Bruchstücke innerer Ausbauten reden.
St. Laurent Grenoble