Wenn wir dagegen eine wirkliche Merowingerkirche noch halbwegs aufrechtstehend sehen wollen, so müssen wir wieder über Deutschlands Grenze gehen. In Metz, der einstigen Hauptstadt von Austrasien, ist sonst fast alles den späteren Kriegsbauten zum Opfer gefallen, von den Residenzen der Könige und der Kaiser bis zu ihren Begräbnisstätten (noch Ludwig der Fromme war dort im Arnulfkloster bestattet). Aber ein Bauwerk, die St. Peterskirche (heute militärische Brieftaubenstation) auf der Zitadelle, ist noch übriggeblieben; wenn auch nur in den äußeren Schiffswänden. Eine dreischiffige Basilika, deren Schiffarkaden freilich in späterer Zeit ganz erneuert sind, die zuletzt in gotischer Zeit im Innern völlig geändert ist. Aber es läßt sich immer noch ersehen, daß der Bau den spanischen des 8. Jahrhunderts in der Anlage ähnlich war, am meisten dem Kirchlein zu Val de Dios. Westlich eine Vorhalle mit Empore, dann das Schiff, von dem man leider nicht einmal mehr sicher weiß, ob die obere Wand des Mittelschiffes von Säulen oder Pfeilern getragen war; ersteres ist das wahrscheinlichere, da sich der Rest eines marmornen Säulenschaftes vorfand; im Osten eine vermutlich rechtwinklige Apsis. Das kleinsteinige Mauerwerk ist, wie die Umfassung der nördlichen Tür und die Bögen der Westwand, mit Backsteinschichten durchschossen; über der Westempore eine Bogenstellung auf drei Säulen ohne Kapitell. Von wichtigen Architekturteilen scheint sonst so gut als nichts mehr erhalten, außer dem Reste eines Türsturzes, der ein halbrundes Tympanon gebildet haben muß, doch nur aus zwei Balken übereinander gebildet, ohne wirkliche Bogensteine: dieser Rest ([Abb. 56]), dessen rechteckige Türöffnung darunter etwa 1,05ᵐ licht gehabt haben muß, ist im Halbrund ringsum mit runden kleinen Rosetten eingefaßt, inmitten waren drei größere Rosetten, die Zwickel sind mit allerlei Blatt- und Schmuckwerk in Linien und Kerbschnitt, der viereckige Türrahmen mit einer Reihe von eckigen eigentümlichen Knöpfen gefüllt. Dieser Türsturz gehört als besondere Seltenheit zu den wertvollsten Überbleibseln seiner Art.

Noch ein kleines Kapitell (Kragstein) ist da (s. [Abb. 75]), vorne eine Art Büste in Relief eingetieft enthaltend, scheinbar römisch, vielleicht wirklich ein solcher umgearbeiteter Rest, doch an den Seiten Blattwerk entschiedenster germanischer Art, mit den bekannten vertieften Rippen und Einschlitzungen, wie im Langobardischen und Westgotischen.

Beim Durchsuchen der romanischen Pfeiler des Mittelschiffes fand man außerdem prächtige Reste von Schranken in Kalkstein. Also offenbar war eine innere Abgrenzung wie bei den langobardischen und spanischen Kirchen vor dem priesterlichen Teile des Schiffes oder dem Chor einst vorhanden; ob auch mit Säulen und Querwand oder Balken darüber ist nicht mehr zu bestimmen. Doch wahrscheinlich ohne solche, da keinerlei Rest davon zeugt.

Die Felder und Pfosten dieser Schranken sind von hohem Reiz und gut altgermanisch ([Abb. 156], [157], Tafel XLII); erinnern teilweise stark an langobardische Arbeiten, sind jedoch weit mehr nordisch im Charakter, schon insofern, als richtige Verschlingungen von Schlangen, Drachen und dergleichen statt Flechtwerk allein vorkommen; die Felder sind öfters, wie es scheint, zur Ausfüllung mit andersfarbigem Steinwerk schachbrettartig und ähnlich vertieft, echt merowingisch bunt. Diese Art von Zierung hat sich ja bekanntlich lange erhalten und weiter gepflanzt, so im Puy (St. Michel de l’aiguille) an N. D. du Port zu Clermont und vielen ähnlichen Bauwerken.

Dabei ist noch ein Pfosten von besonderer Form vorhanden, eine flache Nische mit einer Figur darin (wie es scheint Christus) auf der Vorderseite enthaltend. Die gewundenen Säulchen, die diese Nische einfassen, der Spitzgiebel mit Krabben besetzt, die Behandlung, als flachstes Relief auf Grund gesetzt, entspricht völlig der wohlbekannten langobardischen Weise, doch ist alles ein wenig rundlicher, nicht so scharfkantig eingeritzt. Es mag dies vielleicht der Rest eines Eckpfostens der Schranken sein.

Köln, Römerturm

Der wohl ältere doch auch dieser Richtung angehörige „Römerturm“ zu Köln ist schon erwähnt worden; er mag ins 6. bis 7. Jahrhundert gehören. Merowingerkönige, so Sigibert, wohnten ja oft und lange in der rheinischen Stadt.

Die Fläche des runden Turmes ist völlig bedeckt mit den heitersten Mustern der Flächendekoration in Stein und in Ton in verschiedener Farbe. Fischgrätenfriese, Bänder, Räder, Pyramiden, Giebel, Dreiecke, übereck stehende Quadrate, sogar tannenbaumartige Gebilde (wohl Palmen) bedecken in heiterster Fülle reihenweise über- und nebeneinander die ganze Fläche des Mauerzylinders ([Abb. 158]).

XLII