Abb. 161. Germigny-des-Prés. Schnitt.

Abb. 162. Germigny-des-Prés. Chorbogen.


GRÖSSERES BILD

Die vier Bögen, von denen der Mittelturm getragen wird, ebenfalls hufeisenförmig, ruhen auf Kämpfern, die nur nach der Bogenseite vorspringen, ebenso wie die acht Bögen, die die Wände mit den vier Pfeilern verbinden. Das ist eine besondere Eigentümlichkeit jener Zeit, auch meist der karolingischen Bauweise, vielleicht dadurch veranlaßt, daß diese Gesimse dazu dienten, die hölzernen Lehrbögen für die Einwölbung der Bögen zu tragen. Die Kämpfer ([Abb. 54]) sind ganz charakteristisch germanisch; auf dichten Reihen kleiner Klötzchen oder Konsolchen ruhend haben sie an ihrer Vorderfläche Flechtwerk oder eine Nachahmung kleiner gedrehter vertieft eingelassener Baluster, also richtiger Drechslerarbeit. Das erscheint auch in der gleichzeitigen angelsächsischen Baukunst. An den Außenwänden sind die Kämpfer einfach profilierte Klötze von der Breite der Bögen und ruhen auf vorgestellten freien Säulen. Dies erinnert lebhaft an das Bogenauflager in S. Miguel de Lino ([Abb. 126]). Im Chorbogen stehen an dieser Stelle je zwei viel kleinere Säulchen. Die vier Tonnengewölbe der Arme öffnen sich oberhalb der mittleren Bögen mit einer kleinen dreiteiligen Arkade auf je zwei Säulchen nach dem Mittelraum zu, dorther Licht empfangend. Diese Arkade erinnert lebhaft an die späteren romanischen; die Säulen tragen hier auch den schweren sattelholzartigen Stein als verbreitertes Auflager für die tiefen Bögen, dessen Profilierung wieder eine völlig holzmäßige ist. Die Gruppe ist von einem Wandblendbogen auf Pfeilerecken eingefaßt, im Stockwerk darüber befindet sich ein Rundbogenfenster auf jeder Seite.

Abb. 163. Germigny-des-Prés. Details.

Das Innere der Chorapsis zeigt unten zwei Nischen, sowie neuerdings drei Fenster. Die Nischen dürften sich wiederholt haben, auch die anderen Apsiden werden ursprünglich fensterlos gewesen sein. Über den Fenstern der Altarnische läuft eine vorgesetzte Zwerggalerie auf kleinen Säulchen.

Alle Säulen zeigen ohne Ausnahme höchst besondere Kapitellbildung, die nur ausnahmsweise entfernt an die korinthische erinnert: Blätter an den vier Ecken, kleine Ranken, meist aber Rippungen und Riefungen der Flächen, schräg oder gerade; kurz eine wieder völlig holzmäßige Behandlung, der der gleichzeitigen Kapitelle von S. Tirso in Oviedo und Adriano zu Tuñon verwandt ([Abb. 163]). Die Basen meist mehr als Ringelung aufgefaßt.

Oberhalb der vier Apsidenbögen befinden sich noch Fenster, rundbogig, nur das östliche rechteckig, zur weiteren Beleuchtung des Schiffes dienend. Andere scheinen ursprünglich gefehlt zu haben, was der inneren Lichtwirkung sicher bedeutend zustatten kam.