„So. Aber an jenem Tage, oder — sagen wir nur — bei jener Unterredung —“
Georg erklärte auf Montforts fragenden Blick, es habe eine lange Unterredung über seine Zukunft und vieles andre stattgefunden, worauf Josef gelassen fortfuhr:
„Ja, dann waren Sie also von ähnlichen Empfindungen wie gegen Bogner auch gegen Ihren Papa erfüllt: nämlich Freundschaft, Ehrfurcht, aber auch Gefühl der freundschaftlichen Überlegenheit, Verwirrung vielleicht — — ja, ich rate ...“
Georg nickte nur, schwer atmend.
„Und mit: er hats schuld!“ ergänzte Josef, „waren im Traum also nicht Sie gemeint, sondern Ihr Vater.“
Georg sah vor seinen Augen den Raum voller Tabaksqualm, Lampen und sitzender, schreiender Menschen verschwimmen. Das Mädchen Cornelia hing mit einem sonderlichen Ausdruck von Grauen und Zärtlichkeit an Josefs Antlitz, der vor sich niedersah, und jetzt schlugen in Georgs Verwirrung, aus seinem eigenen Innern tönend, die Traumworte: ich komme nicht hinein ... mehrere Male. Während er noch bedachte, daß er sie während des väterlichen Gespräches empfunden haben müsse, widerstrebenden Gefühls gegen die unbekannten Lebensgewalten, denen er durch seinen Vater plötzlich ausgesetzt wurde, hörte er jetzt Josef, immer gesenkten Auges, diese selben Worte sagen und weiter, sich aufraffend zum Zuhören:
„Diese Worte wären also das einzige, was noch bleibt.“
Indem er jetzt langsam seinen Blick von der Tischplatte erhob, ihn über seine Freundin gegenüber streifen und in Georgs Augen, seltsam prüfend, sinken ließ, sah Georg sich mit einem Mal in Annas Zimmer, sah sich auf ihr liegen, — er sträubte sich, aber es zwang ihn, — er sah sich, im Dunkel, kalt fiebernd, wie er den Eingang suchte, und er hörte sich zu sich selber murmeln: Ich komme nicht ... Da schüttelte er das gewaltsam ab, sein Blick irrte, schwankte gegen Josefs Augen zurück, er richtete sich im Stuhl auf, rückte an dem Bierglas vor ihm, sah ein unmerklich feines Lächeln Josefs Mundwinkel heben und hörte ihn sagen, während er die linke Hand auf Georgs Arm legte:
„Lassen Sie’s gut sein, Prinz. Sie wissen nun alles, nicht wahr? Ich weiß es auch, denn — viele Deutungen gibt es da ja nicht mehr. Sie sehen also,“ fuhr er ernst und ruhig fort, „die Verankerung Ihres Traumes ist so ziemlich aufgedeckt. Ängste und Beschwichtigungen, Entstellungen und Verdeckungen, Sie machen sich zu Bogner, Sie grollen Bogner und Ihrem Vater, Bogner muß suchen, Ihr Vater darf gehen, aber: er hats schuld! — Nun, damit können wir uns ja wohl zufrieden geben.“
„Ja,“ fragte Georg entsetzt, „wollen Sie denn noch mehr herauswürgen?“