Und sich die goldnen Eimer reichen!
Mit segenduftenden Schwingen
Harmonisch all das All durchklingen!
„Harmonisch, haben Sie es gehört? Vollendung in sich selbst, Ordnung, Harmonie, etwas andres hat es nie gegeben. Warum giebt es uns denn, Maler, Dichter und so weiter? Damit wir sie herstellen. Wir sehen sie, und wir stellen sie her, indem wir das eine weglassen und das andre betonen, jene Teile betonen, welche die Harmonie ergeben. Wir breiten das Kleid der Muttergottes und ordnen die Engel herum, wir ziehen aus einem Bündel Suppenkraut, einem Tontopf und einer gewürgten Ente drei Tupfen von erlauchtem Grün, und da fühlen Sie sich wohlgetan an Ihrer plötzlich sehenden Seele! Was aber schön ist, leuchtet aus ihm selbst! Haben Sie das nie gelesen? Unglaublich! Achtunddreißig Jahre alt und die Mutter dieses Knaben!“
Er lachte, aber merkwürdig verwirrt. Georg lachte mit, an seiner ganzen Seele geschmeichelt und getröstet, daß die Mama einen solchen Feuerbrand in diesen Maler geworfen, vielmehr Wasser aus dem Felsen geschlagen hatte, denn wie strahlte er auf einmal von Beredsamkeit. Jetzt, da er sich schon zum Tiefersteigen gewendet hatte, kam der Maler hingegen die zehn Stufen heraufgelaufen, blieb unter Georg stehn und sagte:
„Haben Sie das eigentlich gesehn? Die rechte Hand, mit dem Arm, wie ich sie bekam, und wie das floß! Und die linke erst, wie der Oberarm nach unten ging, und der Unterarm wieder nach oben, und dann die Hand und die Finger herabflatterten wie ein Weinblatt, und wie all das floß aus der Gestalt und wieder zurück, und dann die Locke, haben Sie vielleicht die Locke überhaupt gesehn? Ach, sieh an, waren Sie das nicht, der mich heut fragte, was eine Seele wäre? Haben Sie sie nun gesehn, diese Seele eines Armes und einer Hand? Herzogtümer!“ rief er, „und ich werde es malen!“
„Wenn sie nicht so leidend wäre ...“ sagte Georg traurig und leise.
„Ach,“ meinte Bogner, der sich um das Leiden nicht zu kümmern schien, „es brauchten ja keine endlosen Sitzungen sein! Eine gute Photographie täte es auch, und wenn ich die Herzogin nur noch dreimal, nur noch einmal sehn könnte ...“
Georg nickte lebhaft. „Bitten jedenfalls müssen Sie darum! Es wird sie ja so freuen! Wir müssen uns hinter Papa stecken, wissen Sie! Er muß sich das Bild als Geschenk ausbitten, aber es wird höchste Zeit, wir sind beide noch nicht im Frack, entschuldigen Sie, und auf Wiedersehn!“
Aufgeregt und entzückt und beklommen entlief er.