Wie ich denkt mein Vater, und was wäre ich freilich ohne diese Stütze? Der wundervolle Mensch! Mit keinem Blick, mit keiner Miene hat er sich mir als Beistand gezeigt. Ohne Blick, ohne Miene hat er mich verständigt, daß ich seines Beistandes gewiß sein werde, wenn die Entscheidung erst gefallen ist. Sie ist schon gefallen, in meinem Herzen ist sie’s. Ach, mein Benno, wie ist der glückselig, der im Wünschen und Schwanken, im Zweifeln und Vertrauen sicher ist eines Unwandelbaren, und wenn er Vater nennen kann, was mit Leib und Seele, mit Haut und Haar, mit allen Kräften der Liebe ihm väterlich ist!
Und dies giebt mir Kraft, dies wird mir Heil geben. Ja, ich weiß, Freund, ich weiß: wäre er mir nur um ein Gran minder väterlich, so würde ichs spüren, würde meine Kraft sinken, mein Recht bleichen, — ich wäre entblättert, ehe ein Monat um wäre. Aber ich stehe auf ihm, und so sei’s drum.
Ich bin entschlossen. Und somit — Gott befohlen!
Georg
Hier enden des vierten Buches neun Kapitel oder ebenso viele Monate.
Fünftes Buch.
Fragmente aus den halkyonischen Jahren II
oder
Cordelia
Erstes Kapitel: Februar
Ulrika
Renate und Ulrika saßen des Abends an den beiden ineinander geschobenen Flügeln unterm Orgelpodium und übten an Johannes Brahms’ deutschen Tänzen, als Renate, der Orgel gegenübersitzend, eine dunkle Gestalt hinter Ulrika vorübergehn und die Stufen zur Empore hinansteigen sah. Schreckhaft, wie sie diesen Winter war, nahm sie die Hände von den Tasten, blickte, während Ulrika noch einige Takte weiterspielte, angestrengt durch den rötlichen Nebelglanz der Lichter und sah nun, daß es Saint-Georges war, der sich grade leise in den Drehsessel oben niederließ. Vor drei Tagen war er verreist, um seinen plötzlich verstorbenen Vater zu beerdigen, — ihn, von dessen Dasein Renate niemals etwas geahnt hatte.
Da auch Ulrika jetzt auf und zu ihr herüber sah, sagte sie: