... vor und aus und zeichnet, wennschonhin

Tief bedauernd nebigen Betreff ...‘

Nein, jetzt kam:

‚... vor und aus. An die Bezirksbehörde in —.

Staunend liests der anbetroffne Chef.‘

Georg schnaubte ein Lachen durch die Nase, das er nicht empfand. ‚Als nicht exist— —‘ na, nun wars schon genug! — Plötzlich fuhr er hoch und rieb sich die Augen. Er war am Einschlafen gewesen. — Ich verstehe Vater nicht, dachte er kopfschüttelnd. Was hat er dabei gedacht? Er hat ihn mir doch selber gegeben? — Ach, gleichviel, gleichviel, es war aus, und damit gut, gut, gut!

Georg glaubte zu verkommen an Überdruß über sich selbst. Zum Weinen verbittert gedachte er Renates. Erst vernachlässigte ich sie über Esther. (Ach, ich glaube, ich hätte Esther heiraten sollen!) Dann bildete ich mir ein, ich weiß nicht mehr, weshalb, ich dürfte erst wagen, Renate in meine Kreise zu ziehn, wenn alles gesichert sei. Ich wollte ihr ja das Herzogtum zu Füßen legen. So gehörte sichs. Ah, dazu führten nun meine nationalökonomischen Studien! Keine Ahnung, daß ein Vertrag nach hundert Jahren noch einer ist. Ach, ich bin müde und will schlafen, dachte er, sich ergebend, knöpfte die Weste auf und trat an den Tisch, um den Inhalt seiner Taschen darauf zu legen, Uhr und Kette, Feuerzeug, Brieftasche, Schlüsselbund, Taschentuch. Da lagen die Blätter über die Zustände von Herrn Topf auf dem Bett. Er nahm sie, stopfte sie in die Lade. Da mußte er sich im Zimmer umsehn. Ja, hier lebte er seit ein paar Monaten und hatte sich, von allem Tiefsten abgesehn, ganz wohl darin befunden. Gegen früher war nichts verändert. Er gähnte, dachte an Helenenruh, an grüne Wiesen, an gackernde Hennen. Ach, die ersten Ferientage der Kindheit, das fremde Erwachen in Helenenruh, Sonne im Zimmer, draußen das ganz sonnige Gackern der Hennen, der krähende Hahn, ganz fern die jungen Hähne im Dorf, und dann der erste Blick aus dem Fenster, damals, als ich noch im Nordflügel wohnte, auf die Felder hinaus, die leise wogten, und mitten drin die Dächer vom Dorf, der Kirchturm, und unten vorm Fenster schritten die gesprenkelten Hennen, scharrten mit dem Fuß, sahen links und rechts und gingen weiter ...

Und daß alles dies eigentlich gar nicht mir gehört ...

Er hielt die ausgezogenen Hosen in der Hand, ging nun zum Schrank und hängte sie hinein, nahm Rock und Weste vom Sofa und hängte sie fort, setzte sich und begann, die Stiefel auszuziehn. Den ersten niedersetzend, erinnerte er sich Magdas, ganz sehnsüchtig. Vielleicht liebte ich doch sie am meisten, besann er sich trübe. Er zog den zweiten Stiefel vom Fuß, setzte beide unters Bett, zog die Steppdecke zurück und holte das Nachthemd hervor. Nun kann ich ja also zu meinen rohseidenen Schlafanzügen zurückkehren, dachte er verloren. Ich glaube, morgen fahre ich nach Altenrepen. Vielleicht kommt auch morgen ein Brief vom Vater. Da durchkreuzte sich dies Wort mit dem Gedanken, daß sein Vater nicht sein Vater sei, die Galle stieg ihm hoch, er schleuderte das Taghemd von sich, streifte das Nachthemd über, blies hastig die Lampe aus, merkte, daß er noch in Unterhosen und Strümpfen war, streifte sie ab, warf sie aufs Sofa, legte sich ins Bett und schlief gleich darauf ein.

Fünftes Kapitel: März