„Ja,“ sagte er, als fiele etwas ihm ein, „und wissen Sie denn eigentlich, warum ich noch einmal zurückgekommen bin?“

Renate schüttelte den Kopf.

„Weil ... Ich verstehe es nicht“, murmelte er, den Kopf senkend. — „Weil“, fuhr der dann erklärend fort, „mich unterwegs die Reue ergriff; weil ich dachte, ich wäre vielleicht doch im Unrecht, und — da man gleich tun soll, was man tun will und kann, so drehte ich wieder um, und — — was geschieht? Sie sahns ja, sie tat, was ich tun wollte, sie bat mich am Verzeihung!“

Auf dies hin wußte Renate nichts. Sie standen noch eine Weile schweigend, dann verbeugte er sich und ging.

Renate nickte ihm noch lächelnd zu, als er aus der Tür grüßte, dann fielen die Schleier wieder über alles, langsam erlahmte ihr Denken, rot glimmte die sinkende Glut vor ihren verdunkelten Augen, sie ging zur Tür, löschte das Licht und ging schläfrig und abgespannt auf ihr Zimmer.

Schrecken

Renate hob den Kopf aus dem Schlaf, weil sie jemand an die Tür klopfen hörte; sie glaubte, nur wenige Stunden geschlafen zu haben, aber es war schon Tag. In der Tür erschien die Köchin, ängstlich, und sagte: Frau Herzbruch habe angerufen, das gnädige Fräulein möchte doch gleich ans Telephon kommen, es sei etwas ganz Schreckliches passiert. Renate war schon mit den Füßen aus dem Bett. — Es betreffe aber nicht Frau Herzbruch selbst, sollte sie sagen. — Renate war schon in den Pantoffeln, rannte durch die Zimmer hinaus und treppab in die Halle. Es mußte mit Vehm ... Sie nahm den Hörer auf, atemlos, und sagte: „Irene?“

Eine Weile war nichts zu hören als das Sausen und Knistern im Apparat, dann kam Irenes Stimme leise und mühsam aus der Ferne: „Renate ...? du wirst — sehr erschrecken. Es ist —“ Wieder war alles still. „Mein Schwager Vehm“, hörte Renate, „ist — — tot. Und — und —“

„Dora!“ schrie Renate entsetzt.

„Nein, nicht Dora,“ hörte sie nach Sekunden. „Die Kinder.“