XI

Nun sieht auf einmal der Himmel mich an. Es ist Abend. Hinter dem Eichendickicht im Westen lodert ein scharfes Gold. Der südliche Himmel von graublauen zarten Zügen, leise vergoldeten, wölbt seine reine Muschel über mir. Selige Schale! Geliebtes Gold, o geliebter Hauch, geliebte Bläue, dein Anblick ist schmerzlich, wie er es dem Verbannten sein muß, der das goldene Abendwunder der Heimat sich über fremdem Ufer entfalten sieht, — erinnernd an alles, was einmal war.

Übrigens bemerke ich, daß ich nichts datiert habe in diesen Briefen. Da es mich auch nichts angeht, ob es Stunden sind, Tage oder vielleicht schon Wochen, die vergingen, während ich schrieb, und sie also einer wie der andre das Siegel einer und der selben Stunde an sich tragen, so muß es wohl heißen, wie C. F. Meyer an seine Schwester schrieb: ‚Aus allen Augenblicken meines Lebens.‘

XII

Kennst Du diese Verse von Greiner, Papa?

Und immer fremder sind mir Tag und Räume ...

Was weht um mich? Man sagt: ein Menschenwort.

Was rauscht um mich? Man sagt: die alten Bäume,

Die rauschen noch aus deiner Kindheit fort.

Und Gärten stehn im abendlichen Land,