„Ach!“ sagte Benno, nachdem er mit einem einzigen Schritt in die Mitte des Zimmers getreten war, wo er stehen blieb wie angenagelt, so lang und so dünne er war, die Hände zusammenlegend und so höchstüberrascht und beglückt umherblickend wie die Unschuld am Geburtstagstisch. „Ach! Hier ist ja alles wie früher! Georg! Aber das ist nicht zu glauben! Das ist unerhört!“ Und Georg sah sein heißes und immer gerötetes Profil mit dem Haken der Nase, der über den zitternd hangenden Schnurrbart hinweg nach dem entgegengekrümmten Kinn langte, sich hin und her drehen in kleinen Rucken, vor Freude rundäugig, und die vorstehenden Wangenknochen bebten. Er erging sich in Ausrufen. „Die Vitrine! Und die japanischen Koffer! Und da —“ Wieder mit einem Schritt stand er unter der Alabasterschale, die überm Sessel der Fensterecke hing, streifte sie mit zärtlich erhobener Hand — „die Lampe!“ — worauf er mit einem Knie in dem Sessel lag vor Rembrandts Drei Bäumen, „und die alten Bilder!“ Im nächsten Augenblick sich herumwirbelnd mit fliegendem Haar, stand er bei Georg, legte ihm eine Hand auf die Schulter und sagte, schmelzend vor Glück und Scham und kaum hörbar: „Und daß ich noch hier bei dir stehen darf? Und Du sagen? Und dich anrühren! Einen Herzog! Es ist unerhört!“ Er schüttelte den Kopf, unter den Augen tausend Fältchen eines fast mütterlichen Lächelns.

„Großherzog,“ sagte Georg, „aber setz dich!“

Mit einem Schwung saß er schon im Sessel, hatte, bereits fertig in Attitüde, die Hände im Schoß, gradsitzend mit übergelegtem Bein, und bat mit Kehltönen: „Und jetzt mußt du mir etwas vorlesen! Magst du nicht? Du hast Verse! Ich hätte dich heute morgen schon bitten wollen, aber — da war alles so fremd; ich konnte mich gar nicht gewöhnen. Diese Renate dazu! Man sieht sie an — — und man ist einfach — — hin!“ Er endete verlöschend und ließ den Kopf sinken wie ein sterbender Krieger.

„Aber Georg,“ fing er wiederum an, „du bist traurig. Ja, dieser herrliche Mensch ist nun auch gestorben ...“

Georg sagte, daß er zwar traurig sei, deshalb aber doch Verse lesen könnte, wenn er nur welche hätte.

„Stehn keine in dem Buch?“ fragte der Enttäuschte mit einem Blick auf Georgs noch daliegende Aufzeichnungen.

„Nein, das sind prosaische Aufzeichnungen und Aphorismen. Aber warte, ein Gedicht muß darin sein, aber — es ist nicht sehr von Belang.“

Georg setzte sich und begann zu blättern. „Hier! Nein, das ist es nicht. Nun, dann waren es zwei, — also höre! Dies ist übrigens noch aus Berlin.“ Er las:

„Und alles dieses: Speise, Schlaf und Wein,

Endlose Nächte, aufgebauschte Wonnen,