Viel ärger als die Freunde trieben's natürlich die Widersacher. Emser verfertigte Spott- und Schmähgedichte, ja Eck gab ein ganzes Büchlein von solchen Liedern auf Luthers Hochzeit heraus. Der Herzog Georg von Sachsen, Luthers besonderer Feind, erließ ein Schreiben an Luther, worin er ihn aufs heftigste schalt, und in einem Instruktionsschreiben zum Speierer Reichstag (15. Mai 1526) an Otto von Pack beschimpft er ihn mit der falschen Anschuldigung: „Es erscheint auch klärlich, indem Martinus verworfen hat den Mönchsstand und so auch die Mönche aus dem Kloster zu Wittenberg, daß er desto mehr Raum habe mit seiner Käthchen zu wohnen, davon sich ein ganzer Konvent hat nähren mögen.“ Der theologische König Heinrich VIII. von England, damals noch Defensor Fidei (Verteidiger des römischen Glaubens) nachher Ritter Blaubart, fuhr in einem Briefe den Reformator an: „Was? Du hast ihr nicht nur beigewohnt, sondern, was noch unendlich fluchwürdiger ist, hast sie sogar öffentlich als Gattin heimgeführt!“[155]

Diese Schriften — außer der Georgs — waren lateinisch und gingen zunächst in die Gelehrtenwelt. Unter das Volk aber wurden ehrenrührige Verleumdungen gegen die beiden Ehegatten gestreut. Der Humanistenkönig Erasmus machte sich lustig, indem er mit schnödem Witze meint: wenn der Antichrist ein Mönchs- und Nonnenkind wäre, müßte die Welt voll Antichristen laufen; aber die Lüge von einem frühgeborenen Kinde hat er mit boshafter Geflissentlichkeit in seinen Briefen an hohe Herren verbreitet, bis er sie dann widerrufen mußte. Die Heirat Luthers ist dem hochmütigen Humanisten aber immerhin eine Posse, mit der der gelehrte Doktor den Philosophenmantel abgelegt und sich zu einem gewöhnlichen Menschen erniedrigt hätte[156].

Aber noch näher trat der jungen Frau bald nach ihrer Heirat die
Schmähung. „Ein Bürgersweib Klara, Eberhard Lorenz Jessners eheliche
Hausfrau hat unnütze Worte gehabt und Herrn Dr. Luther und seine ehrbare
Hausfrau geschmäht und gescholten,“ freilich „auch des Pfarrers Eheweib
übel angefahren“ in Magister Joh. Lubecks Wirtschaft zu Wittenberg[157].

Endlich verfaßten zwei Leipziger Magister, Joh. Hasenberg und Joachim von der Heidten (Miricianus), in Prosa und Poesie lateinische und deutsche Sendbriefe und ließen sie drucken. Hasenbergs Schmähschrift richtete sich „an M. Luder und seine uneheliche Gattin Catharina von Bohra, damit sie entweder mit dem verlorenen Sohn sich bekehren und zur Buße und Heiligkeit des Klosterlebens zurückkehren oder doch Luther seine Nonne ihrem Bräutigam Christus und ihrer Mutter Kirche zurückstelle“ bei Höllenstrafe. Heidten schrieb „Ein Sendbrieff Kethen von Bhora, Luthers vermeynthem eheweib sampt einem geschenk freundlicher Weise zuvorfertigt“. Die beiden jungen Menschen hatten die Frechheit, diese Schriften durch einen eigenen Boten Luther und seiner Frau ins Haus zu schicken, allerdings in der thörichten Hoffnung, wenigstens Käthe von ihrem Manne abwendig zu machen und zur Rückkehr ins Kloster zu bewegen.

Natürlich hatten diese beiden Schriften den entgegengesetzten Erfolg. Luthers Diener trieben mit denselben ihren Spott, schickten sie den „jungen Löffeln illuminiert (illustriert) im Hintergemach“ mit dem Boten zurück und dazu ein viereckiges Täfelein, darauf waren die 6 Buchstaben ASINI (Esel) so verteilt, daß man sie von der Mitte aus gesehen, an vierzig mal lesen konnte. Der ritterliche Luther aber nahm sich seines Weibes an und ließ „Eine neue Fabel Aesopii vom Esel und Löwen“ mit behaglichem Witze drucken und sandte sie an seinen Freund Link mit den Worten: „Die Leipziger Esel haben meine Käthe mit albernen Schmähungen verunglimpft; denen ist geantwortet worden, davon du hier vor Augen siehst.“[158]

Zu den Beschimpfungen gesellten sich Gefahren. In der Nacht vor Michaelis 1525 hatte Luther es gewagt, im Gebiete seines heftigsten Widersachers, des Herzogs Georg von Sachsen-Meißen, dreizehn Jungfrauen aus dem fürstlichen Kloster Freiberg entführen zu lassen. „Ich habe diese Beute dem wütenden Tyrannen entrissen“, meldet er triumphierend seinem Freund Stiefel. Darüber war natürlich Georg wütend, aber auch der Adel zürnte über Luthers Gewaltthat — mußten doch die Angehörigen der Nonnen durch ihren Austritt Vermögenseinbuße befürchten: sogar adelige Freunde der Reformation nahmen es Luther übel. Es wurden Drohungen gegen ihn laut, und sein Leben stand in Gefahr, wenn er irgendwie einem Haufen Reisiger oder Bauern in die Hände fiele, denn auch die Bauern waren ihm ja seit dem Aufstand wenig günstig. Nun war Luther auf den 19. November zu Spalatins Hochzeit nach Altenburg geladen, wo der ehemalige Geheimschreiber des verstorbenen Kurfürsten jetzt Stadtpfarrer war. Luther wollte durchaus zu des Freundes Ehrentag. Aber Käthe hielt ihn zurück und beschwor ihn sogar mit Thränen vor der gefährlichen Reise. Also daß ihr Gatte heldenmütig seines reformatorischen Befreieramtes waltete und anderen armen Jungfrauen that, was ihr geschehen, und „dem Satan diese Beute Christi abjagte“, das hinderte Frau Käthe nicht, aber das setzte sie durch, daß er sich nicht ohne Not in Gefahr begab. Solche Lebensgefahr mußte sie ja immer für ihren Gatten fürchten, auf welchen wie auf einen Fürsten gar mancherlei Attentate geplant und versucht wurden[159].

Dagegen ließ sie es Ende Februar des folgenden Jahres zu, daß Luther sie nach Segrehna bei Kemberg begleitete. In diesem Dorfe hielt sich damals der ehemalige Schwärmer, Bilderstürmer und Bauernagitator Karlstadt als Bauersmann und Landkrämer versteckt. So viel Schmerzen und Sorgen ihm auch Karlstadt gemacht, Luther hatte sich seines alten Amtsgenossen angenommen und ihm Begnadigung beim Kurfürsten erwirkt. Und jetzt hatte Karlstadt Luthers Gemahlin zur Gevatterin gebeten. Auch zu diesem Liebesdienst war sie bereit, machte nicht nur selbst die beschwerliche Reise, sondern ließ sogar ihren Gemahl mitfahren[160].

Schon in diesem Jahre gemeinsamen Lebens lernte Luther seine Gattin besser verstehen, tiefer lieben und höher achten. Hatte er sie vor der Hochzeit für stolz und hoffärtig gehalten, so schreibt er jetzt: „Sie ist mir gottseidank willfährig, gehorsam und gefällig, mehr als ich hätte hoffen können, so daß ich meine Armut nicht mit des Crösus Reichtum vertauschen möchte.“[161]

Melanchthon hatte die Hoffnung ausgesprochen, Luthers Verheiratung werde ihn gemessener machen, und sein ungestümes, derbes Wesen sänftigen. Das dachte wohl auch der Erzbischof Albrecht, der durch seinen Kanzler Rühel, Luthers Schwager, der Frau zwanzig Goldgulden als Hochzeitsgeschenk reichen ließ, welche Katharina gern annahm, Luther aber zurückwies. Erasmus glaubte auch bald die Bemerkung gemacht zu haben, daß Luther milder geworden sei und nicht mehr so viel mit der Feder wüte. Denn, setzt er in gewohnter spöttischer Weise hinzu: „nichts ist so wild, daß ein Weib es nicht zähmt“[162].

Das wird ja im allgemeinen nicht abzustreiten sein. Und tatsächlich ließ sich Luther — aber durch fürstliche Zurede — im versöhnlichen Tone gegen Herzog Georg und König Heinrich VIII. hören — freilich ohne diese dadurch versöhnlich zu stimmen: sie beuteten vielmehr seine Schreiben aus, um ihn verächtlich zu machen. Aber in seinem reformatorischen Beruf hat Käthe ihren Mann weder hindern können noch wollen[163].