Im Laufe der Zeiten wurden in dem halbfertigen Hause gar mancherlei Reparaturen nötig und ebenso allerlei Neubauten. So erhielten Johann Crafft und M. Plato ihre Stübchen, auch der Sohn Hans, als er herangewachsen war; Muhme Lene hatte ihr Stüblein mit Kammer und Schornstein — jedes kostete 5 fl. herzurichten. Die obere Stube und Kammer kam aber auf 100 fl. zu stehen und die untere auf 40 fl. Außer dem großen Keller, der (mit dem „Schaden“ beim Einsturz) auf 130 fl. gekommen war, wurde noch der neue Keller für 50 fl. gebaut und ein Weinkeller für 10 fl. eingerichtet. Endlich wurde noch ein „new Haus“ gebaut, welches 400 fl. kostete. Die Treppe mußte zweimal hergestellt werden und das Dach öfters geflickt[207].

Dazu brauchte es manches Tausend Dachsteine (Ziegel) und Backsteine, auch nicht wenige Tonnen und Wagen Kalk, besonders in den Baujahren 1535-39: 280 Wagen Kalk und 12500 Mauersteine und 1300 Dachsteine und wieder von beiden Arten zusammen 2600. Freilich, das Tausend „Dachsteine“ kostete nur 40 Groschen, Mauersteine 57 Groschen und der Wagen Kalk nur 4-5 Groschen. Das lieferte die Stadt, aus der eigenen Brennerei. Luther machte sie bezahlt durch seine Dienste (unentgeltliche Predigt und Seelsorge u.a.) und durch Abtretung von Boden an seinem Klosterhof. Im Jahre 1542 hatte Luther allein 1155 fl. verbaut[208].

Später erlebte man im Lutherhause schweren Ärger durch den neuen Festungsbau. Der Zeugmeister Friedrich von der Grüne war den Lutherschen offenbar nicht grün. Er verschüttete nicht nur — mit Luthers Bewilligung — das untere Gemach, sondern auch ohne Not und Zustimmung das mittlere, verderbte das Brauthor, bedrohte die Gartenmauer und die Erdmauer am hinteren neuen Haus. Und wie der Herr, so machten's die Knechte: die Deichknechte warfen Fenster ein und trieben sonst noch allerlei Mutwillen. Luther fürchtete sogar für seine geliebte Studierstube, darin er so viele schwere Stunden mit Studieren und Anfechtungen erlebt, „daraus er den Papst gestürmet“ und seine wunderbaren Schriftwerke und Episteln in die Welt gesandt. Da mußte der Doktor einen gar zornigen Brief an den Zeugmeister schicken, der wahrscheinlich seinen Eindruck nicht verfehlte[209].

Im Hof, dem ehemaligen Spitalkirchhof, waren die Fundamente der Kirche angelegt, aber nur der Erde gleichgebracht. Mitten in diesen Fundamenten stand eine alte Kapelle „von Holz gebaut und mit Lehm beklebt; diese war sehr baufällig, war gestützt auf allen Seiten. Es war bei 30 Schuhen lang und 20 breit, hatte ein klein alt rostig Vorkirchlein, darauf 20 Menschen kaum mit Not stehen konnten. An der Wand gegen Mittag, war ein Predigtstuhl von alten Brettern, die ungehobelt, ein Predigtstühlchen gemacht, etwa 1-1/2 Ellen hoch von der Erde, worauf Luther einst gepredigt hatte. In Summa, es hatte allenthalben das Ansehen, wie die Maler den Stall malen zu Bethlehem, darinnen Christus geboren worden.“ Erst im Jahre 1542 fiel es der Befestigung zum Opfer; Luther „murrte ärger darüber als Jona über die verdorrte Kürbisstaude“[210].

Der Hof war mit einem Bretterverschlag gegen die Straße abgeschlossen und wie der Kirchhof mit Bäumen bepflanzt. Darin liefen Hühner, Gänse, Enten, Tauben; Singvögel nisteten im Gebüsch, Spatzen flogen zu und wurden von einem Hündlein gescheucht[211].

Sonst diente er zum Tummelplatz der Kinder, zum Spielplatz und
Kegelschieben.

Zur Ausstattung des großen Haushaltes mußte gar viel angeschafft und geschenkt werden.

Von der Klosterzeit waren noch einige Sachen da: zinnerne Gefäße und Küchen- und Gartengeräte als Schüsseln, Bratspieße, Schaufeln, freilich recht verbraucht und schadhaft, keine 20 fl. wert. Das mußte bald ergänzt und ersetzt werden. So auch der wurmstichige Kasten Dr. Zwillings in Torgau. Dieser bot einen andern an; Frau Käthe wundert sich über den hohen Preis, den er kosten solle: 4 Florin, erkundigt sich, ob er „reinlich“ sei, mit einem „Sedel“ (Sitzkasten) „für leinen Gerät darin zu legen, da nicht Eisen durchgeschlagen das Leinen eisenmalich macht“; sonst wollte sie sich einen in Wittenberg machen lassen. Einen „Schatzkasten“ hatte das Ehepaar bereits, nur war er „wohl tausendmal zu weit“ für ihren Schatz; 1532 hatten sie nur einen einzigen Becher. Doch füllte sich der Schrein allmählich mit silbernen Bechern, Ringen, Denkmünzen und andern Kleinodien. Auch geerbt hatten sie einen fast zu köstlichen Pokal, den der Augsburger Bürger Hans Honold dem großen Doktor vermachte. Von Nürnberg schenkte der evangelische Abt Friedrich eine kunstreiche Uhr, die das Lutherische Ehepaar gebührend bewunderte; 1529 kam eine zweite (von Link) und 1542 eine dritte dazu. 1536 schickten die Ältesten der Mährischen Brüder ein Dutzend böhmische Messer[212].

Eine ständige Ausgabe machten die Anschaffungen für Leinwand, Betten,
Federn, Leuchter in die Schlafkammern; für zinnerne Kannen, Schüsseln,
Teller, Becken, Kesseln, Pfannen in die Küche; für Schaufeln,
Grabscheite, Gabeln, „Schupen“, Mulden, Radbarn (Schubkarren) in den
Garten; für Fässer, „Gelten“ (niedere Kübel), Eimer in Keller und
Waschküche; für Geschirr und Wagen zum Fuhrwerk[213].

Das Klosterhaus war bisher zwar im thatsächlichen Besitze Luthers; aber eine förmliche Verschreibung hatte er nicht, nur durch mündliche Abmachung war das Gebäude mit seinen Gerechtigkeiten ihm vom Kurfürsten überlassen. Diesem hatte es Luther, der letzte Mönch des Wittenberger Augustinerkonvents, als dem jüngsten Erben zur Verfügung gestellt. Nunmehr aber betätigte der ihm so wohlgewogene Kurfürst Johann vor seinem Tode der Lutherschen Familie den Besitz des Anwesens vorbehaltlich des Vorkaufsrechtes für Staat und Stadt in einer förmlichen Verschreibung. Die Urkunde besagt[214]: