Ich trinke Naumburgisch Bier, fast des Geschmacks, den Du von Mansfeld mir etwa hast gelobet. Es gefällt mir wohl.

Deine Söhnchen sind nach Mansfeld gefahren ehegestern, weil sie Hans von
Jene[554] so demütiglich gebeten hatte; weiß nicht, was sie da machen.
Wenn's kalt wäre, so möchten sie helfen frieren. Nun es warm ist,
könnten sie wohl was anders thun oder leiden, wie es ihnen gefällt.

Hiermit Gott befohlen sammt allem Hause, und grüße alle Tischgesellen.
Vigilia Purificationis, 1546.

M.L., Dein altes Liebchen.“[555]

Also der Doktor hatte sich richtig erkältet und zwar durch eigene Schuld; er war eine Zeitlang vom Wagen abgestiegen, hatte sich in Schweiß gelaufen bei dem auffallend warmen Winterwetter, war dann im letzten Dorfe Nißdorf, hart vor Eisleben, unvorsichtigerweise wieder auf den Wagen gesessen und hatte sich in dem scharfen Luftzug des Fuhrwerks erkältet. Frau Käthe wußte, was das zu bedeuten hatte und war gar ängstlich trotz des fröhlichen Briefes. Sie hatte, scheint es, die Sache schon vor Luthers eigener Meldung sonsther gehört, auch daß die sonst immer offen gehaltene Wunde am Bein, welche, eine Art Fontanelle, den kranken Säften einen Abfluß gewährte, bedenklicherweise zugeheilt war. So schrieb sie nun einen Brief um den andern, an einem Tag (Freitag, 5. Februar) sogar mehrere. Auch sandte sie von Wittenberg ihre gewöhnlichen Hausmittel: „Stärkküchlein“, allerlei Stärkwasser, Rosenessig und Aquavitä, und hieß Jonas, den Famulus und ihre Söhne in dem Gemach des Doktors schlafen[556]. Er zwar schreibt wieder ganz sorglos, nur bedenklich wegen der heikeln Streitigkeiten, die er zu schlichten hatte, am 6. Februar[557]:

„Der tiefgelehrten Frauen Katharin Lutherin, meiner gnädigen Hausfrauen zu Wittenberg.

Gnade und Friede.

Liebe Käthe! Wir sitzen hier und lassen uns martern und wären wohl gern davon; aber es kann noch nicht sein, als mich dünkt, in acht Tagen. Mag. Philippus magst Du sagen, daß er seine Postille korrigiere; denn er hat nicht verstanden, warum der Herr im Evangelio die Reichtümer Dornen nennt. Hier ist die Schule, da man solches verstehen lernet. Aber mir grauet, daß allewege in der heiligen Schrift den Dornen das Feuer gedroht wird; darum ich desto größere Geduld habe, ob ich mit Gottes Hilfe möchte etwas Gutes ausrichten. Deine Söhnchen sind noch zu Mansfeld. Sonst haben wir zu essen und trinken genug und hätten gute Tage, wenn's der verdrießliche Handel thät. Mich dünkt, der Teufel spotte unser; Gott woll' ihn wieder spotten, Amen.

Bittet für uns. Der Bote eilte sehr.

Am Sankt Dorotheentage, 1546.“