Dein lieber Herr M. Luther.“
„Der heiligen sorgfältigen Frauen, Katherin Lutherin, Doktor
Zulsdorferin zu Wittenberg, meiner gnädigen, lieben Hausfrauen.
Gnade und Friede in Christo.
Allerheiligste Frau Doktorin! Wir bedanken uns gar freundlich für Eure große Sorge, davor Ihr nicht schlafen könnt; denn seit der Zeit Ihr für uns gesorget habt, wollt' uns das Feuer verzehret haben in unsrer Herberg hart vor meiner Stubenthür; und gestern, ohne Zweifel aus Kraft Eurer Sorge, hat uns schier ein Stein auf den Kopf gefallen und zerquetscht, wie in einer Mausfallen. Der hatte im Sinn, Eurer heiligen Sorge zu danken, wo die lieben heiligen Engel nicht gehütet hätten. Ich sorge, wo Du nicht aufhörst zu sorgen, es möchte uns zuletzt die Erde verschlingen und alle Elemente verfolgen. Lehrest Du also den Katechismum und den Glauben? Bete Du und laß Gott sorgen, es heißt: „Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der sorget für dich (1. Petr. 5, 7).“
Wir sind, Gott Lob, frisch und gesund, ohne daß uns die Sachen Unlust machen, und Doktor Jonas wollt' gern einen bösen Schenkel haben, daß er sich an eine Lade ohngefähr gestoßen: so groß ist der Neid in den Leuten, daß er mir nicht wollt' gönnen allein einen bösen Schenkel zu haben.
Hiemit Gott befohlen. Wir wollten nun fort gerne los sein und heimfahren, wenn's Gott wollt', Amen, Amen, Amen.
Euer Heiligen williger Diener Martinus Luther.
Am Tage Scholasticä (10. Febr.) 1546.“
Aber was Frau Käthe zu wenig an Gottvertrauen zeigte, das bewies der
Herr Doktor zu viel. Sie wußte und hörte, daß er, trotzdem er sich jeden
Abend mit warmen Tüchern behandeln lassen mußte, seinen alten
Predigteifer auch in der fremden Stadt in der kalten Kirche bethätigte;
zwei Geistliche ordinierte er und viermal predigte er, zuletzt am
Sonntag den 14. Februar. Abends schrieb er noch einen Brief an seine
Hausfrau, erwähnte aber nichts davon, daß er heute morgen seine Predigt
hatte abbrechen müssen aus Schwachheit; er bat aber seine Frau um
Arzneien[559].
Der Brief schlägt wieder fröhliche und hoffnungsvolle Töne an; die
Aussicht auf Rückkehr nach der lieben Heimat vergoldete die trübe
Stimmung[560]: