Ein Augenpaar, weiß vor Verzweiflung, ohne Lider, blickte sie aus dunkeln Höhlen an: Judas Ischarioth, einer der zwölf Jünger Christi, der den Meister verraten hatte, stand vor dem Fenster.

Traurig zwitscherte der Hänfling, das graue, einfältige Vöglein.

Und ein Schauer überlief die heilige Jungfrau, ihr Herz ahnte, was geschehen sollte. Sie sprang auf und stürzte zur Tür.

„Maria,“ trat ihr an der Schwelle ein anderer Jünger entgegen, der Liebling des Meisters, Johannes, „Maria, wo ist dein Sohn, wo ist unser Herr und Meister?“

Und die Straße entlang, am Hause vorbei, an den Fenstern vorbei, ging der Zug, der den Heiland zur Schädelstätte geleitete.

Freiwillig ging er in den Kreuzestod . . .

Wer hilft einer Mutter, die ihren Sohn verloren hat? Wer beschützt sie, wer hütet sie in der finstern Nacht? Zu wem soll sie gehen?

Erschreckt durch das Lärmen, Pfeifen und Schreien, war das Vöglein davon geflogen. Der bittre Schmerz preßte dem Johannes die Lippen zusammen. Wer wird sie trösten?

Allein war die heilige Jungfrau geblieben, allein, wie das Gras, das Rosseshufe zerstampft haben.

Halb von Sinnen warf sie sich auf den Boden. Und dann