seine Schuhe gewichst und sich fein herausgeputzt; fertig zum Ausgehen, stand er da. Und wie oft hatte der unruhige Geist schon in Erwartung der Großmutter die Mütze aufprobiert! Petka hatte eine Mütze mit lackledernem Schirm; früher hatte er einen Strohhut getragen, als er aber Schüler einer Städtischen Schule geworden war, hatte ihm die Großmutter diese Mütze gekauft. Er hat seinen Gürtel, der ebenfalls aus Lackleder ist, ins letzte Loch geschnallt und sich seine schwarze Tuchbluse mit den beiden Silberknöpfen am Kragen zurechtgezupft; bloß mit der Hose ist es nicht weit her: die Drillichhose ist zwar rein gewaschen — Großmutter selbst hat sie gewaschen und gebügelt —, aber sie ist zu kurz: von den Waden ist ein etwa zwei Finger breites Stück zu sehen; Petka wächst aber noch, und die Hose ist in der Wäsche eingelaufen.

»Ich habe dir den Samowar in einem Nu zurechtgemacht, Großmutter!« begrüßt Petka die Großmutter, auf einem Bein hüpfend.

»Du bist ein gescheiter Junge, Petuschok!« Großmutter ist nach dem Gottesdienst müde und freut sich auf den Tee.

Wenn die Großmutter selbst den Samowar instand setzte, brauchte sie immer furchtbar viel Zeit dazu — so kam es Petka wenigstens vor. Sie pflegte erst die Asche auszuschütten, dann ein wenig Kohle hineinzutun, auf die Kohle einige Holzspäne zu streuen und, wenn die Kohle zu knistern anfing, noch einige Kohlen nachzulegen;

das machte sie wohl zweimal. Petka schüttete aber nie die Asche aus, sondern stopfte den Samowar gleich mit Kohle voll, zündete einige Späne an, legte noch etwas Kohle auf, und der Samowar begann sofort, so schien es ihm wenigstens, zu summen.

»Du bist ein gescheiter Junge!« wiederholte die Großmutter. Sie freute sich, daß der Samowar auf dem Tisch stand und summte und daß sie jetzt in aller Ruhe ihren Tee trinken und vor der Prozession noch etwas ausruhen konnte.

Großmutter war gottesfürchtig und eine eifrige Kirchgängerin; sie versäumte keinen einzigen Gottesdienst, und wenn es beim Nikola Kobylski eine Leiche gab, so ging sie hin und wohnte auch mit einer Kerze in der Hand der Totenmesse bei; sie ging auch mit Petka bei allen Prozessionen mit.

Großmutter setzte sich an den Teetisch, aber ehe sie noch ein Stückchen geweihtes Brot zerkauen konnte, fing Petka schon zu drängen an: sie wollten sofort aufbrechen, um der Prozession entgegenzugehen.

Aber es sei noch viel zu früh! Die Prozession habe gewiß noch nicht den Kreml verlassen; die Leute sammelten sich wohl erst; die Hausmeister ständen noch gar nicht am Morosowschen Gitterzaun, sie säßen wohl noch in der warmen Stube und tränken Tee.

Großmutter und Petka pflegten die Prozession in der Wedenskaja-Gasse, auf dem Morosowschen Zaune stehend, zu erwarten. Sie machten