372. Nawadir, S. 43 ( RTP, XIX, S. 311).
In den Fourberies, S. 72 bemerkt Basset zu diesem Schwanke: »Sans doute l’origine du dicton: Si la montagne ne va pas à Mahomet, c’est Mahomet qui ira à la montagne« und wiederholt dies in der RTP, a. a. O. Diese Behauptung hat dann der Fortsetzer der Arbeit Büchmanns in die letzten Auflagen der Geflügelten Worte, aufgenommen. Hätte er in Wanders Sprichwörter-Lexikon ‚ nachgesehn, so hätte er auf S. 958 des V. Bandes als Quelle des Sprichworts: »Wenn der Berg nicht zum Propheten kommen will, so muß der Prophet wohl zum Berge gehn« das Gedicht Hagedorns » Mahomet und der Hügel ‚« angegeben gefunden; aber auch dieses ist nicht die unmittelbare Quelle, weil es wohl sonst statt »Berg« »Hügel« heißen müßte19. Die Quelle scheint vielmehr die Mohammed ‚ betitelte Erzählung in Hebels Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes, (zit. Ausg. IV, S. 263 ff.) zu sein, deren Anfang lautet:
Dem Mohammed wollten es anfänglich nicht alle von seinen Landsleuten glauben, daß er ein Prophet sei, weil er noch kein Wunder getan hatte wie Elias. Dazu sagte Mohammed, ganz gleichgültig, wie einer, der eine Pfeife Tabak raucht und etwas dazu redet, »das Wunder,« sagte er, »macht den Propheten noch nicht aus. Wenn ihrs aber verlangt, so werden ich und jener Berg dort geschwind beieinander sein.« Nämlich, er deutete auf einen Berg, der eine Stunde weit oder etwas entfernt war, und rief ihm mit gebietender Stimme, daß der Berg sich soll von seiner Stätte erheben und zu ihm kommen. Als aber dieser keine Bewegung machen und keine Antwort geben wollte, wiewohl keine Antwort ist auch eine, so ergriff Mohammed sanftmütig seinen Stab und ging zum Berg, womit er ein merkwürdiges und nachahmenswertes Beispiel gab .....
Woher Hagedorn und Hebel geschöpft haben, kann ich nun allerdings nicht sagen, sicher scheint hingegen zu sein, daß die Dschohageschichte von dem Palmbaum (ebenso auch wahrscheinlich die beiden deutschen Erzählungen) auf einer Mohammedlegende fußt. Bayle zitiert in dem Artikel Mahomet, ( Dictionaire historique et critique, 3 e éd., Rotterdam, 1720, S. 1852) eine Stelle aus der das erste Mal 1686 erschienenen Histoire du monde, von Urb. Chevreau, die folgendermaßen beginnt:
Quand les Coreïschites de la Mecque l’eurent prié (sc. Mahomet) de faire une miracle pour faire connoître ce qu’il étoit, il divisa la Lune en deux pieces entre lesquelles ils aperceurent une montagne. Ayant apelé deux arbres, ils se joignirent pour aller à lui, et se separérent en se retirant, par le commandement qu’il leur fit.
373. Nawadir, S. 43 ( RTP, XIX, S. 312); Buadem, Nr. 23; Serbisch, S. 59; Kroatisch, S. 36.
Die Geschichte steht schon bei Bar-Hebraeus, S. 149, Nr. 587 (»I wish to know how far my voice will reach.«) und ähnlich erzählt Kuka, S. 173.
Eine hübsche Parallele bieten die Contes du Sieur Gaulard, S. 200 ff.:
Or il (le Sieur Gaulard) vid plusieurs personnages à la Cour, mesmement de ceux de longue robbe, qui auoient en leurs chambres de petites cloches, lesquelles ils sonnoient pour appeller leurs seruiteurs, quand ils en auoient affaire: et s’estant apperceu qu’au son de cette cloche, aussitost ils ne failloient de venir vers leurs maistres, il luy prit fantaisie d’en avoir une. Et si tost qu’il fut en sa chambre, où il luy tardoit jà qu’il n’estoit arriué pour en faire l’experience, il se mit à sonner certe cloche: mais voyant que pas vn de ses seruiteurs n’approchoit, il se persuada que ses gens ne pouvaient entendre le son. Et pour l’experimenter il sonna sa cloche prés sa table, puis estant couru à sa porte (car nottez qu’il pensoit courir aussi viste que le son de sa cloche) et n’entendant rien prés d’icelle, il dit que ses gens auoient raison de ne pas estre venus vers luy, et qu’il failloit bien que ceux qui auoient des cloches, eussent quelque recepte pour faire deualler le son en bas.
374. Nawadir, S. 43 ( RTP, XIX, S. 313 ff.).