Die, die den Esel kaufen wollten, kamen herbei und musterten ihn, ob er ihnen wohl gefalle und sie auf ihn bieten sollten. Der Ausrufer bestieg ihn und ließ ihn lustig galoppieren, und der Esel lief hurtig dahin und blies seinen Wind, während ihm die Goldstücke aus dem Hintern fielen. Die Leute, die zusahen, hoben die Goldstücke auf und begannen einander zuzuraunen: »Der Esel Dschuhas mistet Gold.« So kam es, daß auch die, die ihn eigentlich nicht hatten kaufen wollen, darauf loszubieten begannen. Man überbot sich gegenseitig, bis der Esel auf zehntausend Franken kam. Da verkaufte ihn Dschuha und nahm das Geld in Empfang. Er trat zu dem, der den Esel gekauft hatte, und sagte zu ihm: »Ich habe dir etwas verkauft, das der verkörperte Reichtum ist.« Der Käufer antwortete: »Sage mir, worin sein Futter besteht.« Dschuha antwortete: »Du mußt ihm genügend Gerste und Gras geben und ihn auch täglich zweimal tränken; und wenn du ihn in den Stall schließt, so laß ihn dort nicht so ohne weiteres: wenn du vielmehr willst, daß er gehörig viele Goldstücke zur Welt befördert, so bring ihn auf deinem eigenen Lager unter, decke ein Moskitonetz über ihn und feßle ihm die Füße, damit ihm bis Tagesanbruch nichts vom Lager heruntergleitet. Mit Tagesanbruch aber geh zu seinem Lager; da wirst du zwei Körbe voll Goldstücke finden.«

Der Käufer des Esels wachte die ganze Nacht in froher Hoffnung, daß es Tag werde. Früh ging er zum Zimmer und öffnete es; und freudig sprach er bei sich: »Heute werde ich durch Dschuhas Esel ein reicher Mann.« Er hob das Netz auf, und nun fand er, daß der Esel zwei ganze Körbe Mist ins Bett gemacht hatte, während sein Urin auf dem Boden unter dem Bette eine lustige Pfütze bildet. Er warf den Esel vom Bette herunter und begann den Mist zu durchwühlen, fand aber auch nicht ein Goldstück. Nun ging er mit dem Esel zu Dschuha und sagte zu ihm: »Ich habe mit dem Esel alles so gemacht, wie du mir gesagt hast, habe aber nicht entdeckt, daß er mir etwas andres verschafft hätte als zwei Körbe Mist; und das Bett hat er mir in einen netten Zustand versetzt. Und nicht ein einziges Goldstück habe ich gefunden.« Dschuha antwortete: »Wie? Habe ich dir denn gesagt, du solltest ihn in dein Bett legen?« Der Käufer antwortete: »In mein Bett habe ich ihn genommen, weil ich Angst hatte, die Nachbarn könnten mir die Goldstücke stehlen, die er misten werde; deshalb habe ich ihn in das Bett gelegt.« Dschuha antwortete: »Darum hat er dir auch keine Goldstücke gemistet. Deine Gesinnung gegen die Nachbarn war nicht edel; darum hat dir Gott nichts schenken wollen.« Nun sagte der Mann: »Gib mir mein Geld zurück und nimm deinen Esel.« Dschuha antwortete: »Nein, ich gebe dir nichts zurück; du hast den Esel auf dem Basar gekauft, wo Recht und Gesetz gilt.«

Darauf sagte der Käufer: »Wohlan, wir wollen zum Richter gehn.« Dschuha antwortete: »Ich gehe nicht mit dir; verklage nur erst den Esel, und ich werde dann schon kommen.« Der Mann ging hin und verklagte Dschuha; dann nahm er einen Schergen mit zu Dschuha. Sie kamen zu ihm und der Scherge sagte: »Steh auf, der Richter läßt dich rufen.« »Gut,« antwortete Dschuha und ging mit ihm. Als er und sein Gegner vor den Richter traten, gebot ihnen der, zu sprechen. Der Käufer begann: »Ich habe von Dschuha einen Esel gekauft, der Goldstücke misten sollte. Als ich ihn kaufte, fragte ich Dschuha: ›Was gibst du ihm zu fressen?‹ Er antwortete mir: ›Gib ihm genügend Gerste und Gras und tränke ihn zweimal des Tages. Laß ihn auch in dein Bett steigen und feßle ihm die Füße, damit du am Morgen neben ihm findest, was er setzen soll.‹ Ich tat so, wie er mich geheißen hatte. Am Morgen ging ich zum Esel, fand aber dort nichts als einen Haufen Mistbatzen.« Da sagte der Richter zu ihm: »Du bist verrückt; gibt es denn auf der Welt einen Esel, der Goldstücke mistet? Dschuha ist ganz in seinem Rechte; dir jedoch fehlt es am Verstande.«

Nun wurde der Mann sehr zornig. Er ging mit seinem Esel heim und prügelte ihn zu Tode.

393.

EInst sagten Männer zu Schaha, daß er heiraten solle; er antwortete ihnen, er werde nicht heiraten, bis der Fluß eine Frau bringe. Sie sagten: »Wie wäre es möglich, daß der Fluß eine Frau brächte?« Schaha antwortet kurz: »So sage ich euch.«

Als dann eine Zeit verstrichen war, sah Schaha eines Tages am Stadttore eine Frau aus der Fremde; er fragte sie: »Wer bist du?« Sie antwortete ihm: »Ich bin aus dem und dem Lande.« »Wohin gehst du?« »In diese Stadt.« »Was willst du da tun?« »Ich will dableiben.« Er fragte weiter: »Hast du Kinder?« Sie antwortete: »Ich habe eines geboren, aber es ist gestorben, als es noch ganz klein war.« Er sagte: »Ich fürchte, daß mir seine Krankheit Schaden bringen wird.« Sie antwortete: »Aber wie sollte dir denn die Krankheit, woran der Knabe gestorben ist, als er noch klein war, Schaden bringen können?« Er sagte zu ihr: »Liebst du mich? willst du, daß ich dich heirate?« Sie antwortete: »Ich liebe dich.«

Darauf gingen sie in die Stadt, um sich von einem Priester trauen zu lassen, und nachdem sie geheiratet hatten, blieb er daheim bis zur Regenzeit. Als dann alle Leute hinausgingen, um das Feld zu bestellen, ging auch er zur Arbeit; dabei fand er einen Schatz, einen Topf voll Gold. Diesen Topf grub er aus; für einen Teil des Goldes kaufte er Weizen, Datteln und Butter, und den Rest versteckte er in einem alten Wasserschlauche.

Darauf lebte er mit seiner Frau bis zu der Zeit, wo die Pilger kamen. Von diesen kam ein armer zu seiner Frau und bat sie um einen alten Schlauch, um darin Wasser aufzubewahren. Sie sagte, sie habe keinen, aber eine Nachbarin machte sie darauf aufmerksam, daß im obern Teile des Hauses ein alter Schlauch sei. Nun stieg sie hinauf, holte ihn und gab ihn dem Armen. Der sagte: »Gott möge dich noch in deinen Kindern segnen.« Sie antwortete: »Ich habe keine; ich habe nur eines geboren, und das ist gestorben, als es noch klein war.« Er sagte: »Möge Gott mit ihm Erbarmen haben.«

Eines Tages stieg Schaha, der in der Stadt geblieben war, in den obern Teil des Hauses, um den alten Schlauch mit dem Golde zu suchen; der war aber nicht da. Er fragte seine Frau, wo der Schlauch sei, der oben gewesen sei, und sie sagte: »Ein armer Mann ist zu mir gekommen und hat ihn verlangt. Er hat Gott um Barmherzigkeit für mein Kind angefleht, und ich bin hinaufgestiegen, habe ihn geholt und habe ihn ihm gegeben.« Schaha sagte: »Habe ich es dir nicht gesagt gehabt, daß mir die Krankheit deines Kindes, obwohl es tot ist, Schaden bringen werde? Und du hast mir erwidert: ›Wie soll dir die Krankheit des verstorbenen Kindes Schaden bringen können?‹«