„Sei gut zu mir, Mama. Sage nichts zu Hause. Bitte. Nichts zu Grigor. Sein Freund hat mir den Kopf verdreht. Ich habe mich rechtzeitig besonnen, sag Grigor so.“
„Es war ja ein Lump, ein Strolch. Es war nicht Grigors Freund. Ich weiß gar nicht, wie er heißt.“
Die Tochter drängte sich an das zerpresste Jabot Cesarines: „Er war solch Lügner, dieser Mann. Er war so flink mit Lügen und allem. So flink.“
Das Mädchen schlug sich die Hände vors Gesicht und stöhnte, stöhnte.
Frau Barinianu steckte die Haarnadeln Matildas zurecht, umarmte sie heftiger. Dann ließ sie das Kind los, atmete tief. Sie rieb sich die Stirn. Lange sprachen sie nicht.
Der Zug schwebte über den Schienen. Von Zeit
zu Zeit kam ein Stoß der Räder. Der Dampf der Lokomotive flog vorbei.
Langsam löste nun Frau Barinianu ihren Hut, wischte sanft über den Schleier, während ihr Kopf zurück auf das Polster fiel. Sie lächelte mit weichem Mund, indem sie träumerisch vor sich in den Spiegel sah: „Er ist in die Welt verschwunden und kehrt nicht wieder. Oh, er konnte turnen, dieser Lump. Ich habe noch nie einen Menschen so turnen sehen.“
Lauter und zärtlicher vibrierte ihre Stimme vor Vergnügen. Wie eine schöne Bratsche klang es aus ihr. Sie drückte das zerzauste Fräulein an sich. Und während die noch leise weinte, lachte die Mutter aus tiefem Herzen über sie her: „Er war ein geborener Springer.“ Bis auch die stolze Matilda mit verschämter Bewegung hoch blinzelte: „Ja nicht wahr, Mutter, so springen konnte er?“ Die Stimme wie eine Hirtenflöte dünn und süß.
Und sie küßten sich. Der Wagen schmetterte über eine Eisenbahnbrücke. Sie wiegten sich Wange an Wange.