„Von mir nicht mal ein Knöchelchen; fress’ alles reinweg runter. Er kann schnüffeln.“

Hocken hinter der Laterne, gießen sich gegenseitig Suppe in zusammengelegte Handteller.

Jenseits der Lazarettlichter hinten flackert es auf einmal, erlischt oft, es ist Stroh, Männer schütten von einer Erhöhung Bettsäcke ins Feuer. Armand kann sich nicht rühren; langsam hat sich Nini, während er hockt, über seine Knie an seine Brust gedrückt, atmet tief und gleichmäßig.

Der Posten, schluckend: „Pierre Chavanne aus meiner Heimat ist gestern gestorben drüben. Hat drin eine feine Sache gehabt. Also er lag mit einem Pariser zusammen auf einer Stube. Wie es Chavanne

schlecht geht, sagt der Pariser: ‚Du, schenkst du mir nicht deinen Trauring? Nachher klaut ihn ein Wärter.‘“

Anderer Posten: „Chavanne, war der verheiratet?“

„Nein. Verheiratet? Tu doch nicht so? Hast du keinen.“

Der andere schluckt verdächtig laut, murmelt: „Ich hab keinen, habe keine Furcht vor den Preußen.“

„‚Also du schenkst mir den Trauring‘, sagt der Pariser zu Chavanne; und kriegt ihn. Aber Chavanne wird dir wieder besser und den Pariser packt es derbe. Und wie der Pariser schon fast auf der Nase liegt, wird Chavanne ihn bitten und sagen, er soll ihm seinen Trauring wiedergeben und den von dem Pariser dazu. Der tut’s auch. Mein Chavanne freut sich, guckt jeden Tag hin, ob sein Nachbar noch nicht tot ist. Jeden Morgen guckt er rüber, jede Nacht. Bis der Pariser auch wieder lebendig wird und nun Chavanne auf einmal solche Wut darüber hat, daß er dir einen Herzschlag kriegt, gestern mittag. Und mein Pariser hat beide Ringe.“

„Ist er tot, der Chavanne?“