Hinter ihm vierzehn Regimenter zu Fuß und sechs zu Pferd.

Der Friedländer ihm gegenüber, ein gelber Drache aus dem böhmischen blasenwerfenden Morast aufgestiegen, bis an die Hüften mit schwarzem Schlamm bedeckt, sich zurückbiegend auf den kleinen knolligen Hinterpfoten, den Schweif geringelt auf den Boden gepreßt, mit dem prallen breiten Rumpf in der Luft sich wiegend, die langen Kinnladen aufgesperrt und wonnig schlangenwütig den heißen Atem stoßweise entlassend, mit Schnauben und Grunzen, das zum Erzittern brachte.

Hinter ihm vierundzwanzigtausend Männer.

Der Tilly sollte unter dem Schein, den Mansfelder zu stellen, ins Herz des Reichs vorstoßen, sich der beiden sächsischen Kreise bemächtigen, zwei Erzstifte, dreizehn Bistümer und Abteien. Des Böhmen Befehl lautete, durch sanfte Mittel und Traktationen die Gemüter gewinnen, den protestantischen Fürsten den Vorwand der Religion benehmen, welchen die Feinde des Kaisers zur Bedeckung ihrer rebellischen Anschläge meisterlich gebrauchen.

Als sie zusammenstanden bei Hennendorf, wich der Däne von ihnen ab. Das Jahr war vorgerückt. Links dehnte sich das Ligaheer in die Quartiere von der Weser bis nach Goslar in die Berge; Wallenstein wollte sie ihnen nicht strittig machen, hatte Platz in das flache Land hinein nach rechts, zwei Erzstifter, dreizehn Bistümer und Abteien.

Ehe der Brabanter Kriegsmann Zeit hatte zum Disput und die Stifter zum Protest, zog der Böhme vorn den Riegel weg von seiner Avantgarde, das Volk schwemmte schwabbte nach rechts, nach Norden, in das flache Land. In Halberstadt wühlte sich der Friedländer ein; dort schlug er sein Quartier auf; alle Städte und Dörfer besetzte er weit herum; an die Saale herüber langte er nach Halle. Tilly, die kleine Dogge, grollte, aber der andere wies, daß er ihm im Herbst geholfen habe, versprach noch mehr. Nach Wien trompetete der Böhme, er säße mit allem Volk in warmen Quartieren, man staffiere sich weidlich aus; der Kaiser möge wissen, wie schön dies Land sei, wie wohl diese Stifter dem zweiten Sohn des Herrn anstehen würden. Zurück hallte Graf Strahlendorff: Magdeburg sei nicht weit von Halberstadt; möge der General hören, wie schwer die Römische Majestät daran trage, dort die Gebeine des Heiligen Norbert in schlechter Verwahrung zu wissen.

Die kaiserlichen Räte schoben den Grafen Kollalto, der mit ihm in Prag verhandelt hatte, zu ihm ins Lager, den ehemaligen Hofkriegsratspräsidenten. Kollalto war ein untersetzter gewalttätiger starrer Mann, nicht jünger als der Böhme, dem Kaiser von Gradiska her befreundet, ein starker Trinker. Er sollte Polizei und Disziplin unter den kaiserlichen Truppen aufrecht erhalten; man hatte neben den Böhmen mit Plan den schwer zu behandelnden Friauler gesetzt, mit unscharf begrenzten Funktionen, einen ehrgeizigen eifersüchtigen unbefriedigten Mann. Die Wiener verkannten den Böhmen; dieser blickte mit blinkernden Augen rechts und links, ihm kam es auf einen Gegner mehr nicht an. Er nahm die Entlastung an, der Friauler hielt das Spiel für gewonnen als Nebenregent.

Da wandte sich eine Herzogin von Braunschweig, eine verschüchterte freundliche Person, an den Herzog nach Halberstadt mit der Bitte, ihr durch das besetzte Gebiet die Durchfuhr einiger Wagen mit Kleidungsstücken zu gestatten. Der Herzog gab galant die Salvaguarda, bedauernd, durch die Kriegsgeschäfte ihr Schwierigkeiten zu schaffen. Die Dame mißbrauchte ihren Geleitschein, belud einige Wagen für ihren Keller mit Tonnen Wein. Ein Oberstleutnant mit Patrouille des Zuges ansichtig hielt den Passierschein für gefälscht, ließ die Dame in strömendem Regen aus ihrer Karosse auf ein Pferd setzen, sie ritten in sein Standquartier; fünf Stück Wein wurden von den Wagen gerollt, mitgeschleppt; die Wagen blieben unter Bedeckung liegen, die Fuhrleute davongejagt. Bevor die Herzogin nach zwei Tagen sich an den General wandte, wußte er schon davon, erklärte ihr seinen Unwillen, ließ den Vorfall untersuchen. Der Oberstleutnant, verhaftet, erhielt Befehl, die geraubten Stücke herauszugeben; es war ein Oberstleutnant vom Regiment Kollaltos, des jetzigen Feldmarschalls. Kollalto, sonderbar verbissen und erglühend, verlangte Auslieferung des Oberstleutnants an ihn, den Regimentsinhaber. Der General lehnte den Einspruch ab. In Wien freute man sich schon lebhaft über den Vorfall. Da gab Kollalto nach, bevor eine kaiserliche Instanz mit der Sache befaßt wurde. Auffallend rasch nach anfänglichem Grimm gab er nach; im Hauptquartier erzählte man sich ein Wort des Generals, der Graf Kollalto solle nicht so um die paar Faß Wein jammern; deutlicher wisperten andere, der Oberstleutnant habe für seinen Oberst das Stück unternommen. Und ohne daß sich äußerlich das Verhältnis der beiden obersten Personen des Heeres änderte, verschwand noch während der Winterquartiere der strenge rotwangige Kollalto aus Halberstadt; unvermutet gelangte an den Herzog die Nachricht, der Feldmarschall, sein Herr Bruder, sei aus seiner Stellung ausgeschieden, man habe ihn wieder als Präsidenten des Kriegsrats angenommen. Man hatte sich in Wien durch Kollalto verstärkt.

Die Losung in der Burg: ihn niederhalten. Die Unterhaltungen Eggenbergs Questenbergs und sogar des verwachsenen feinen Trautmannsdorf waren auf diesen Ton gestimmt: niederhalten. Plötzlich erschien im unschlüssigen Wien, mitten im strengsten Winter, eine ungewohnte Person, der Graf Wilhelm Slawata, der böhmische Oberstlandkämmerer, nahm an einigen höfischen Unterhaltungen Treibjagden Konzerten teil. Er, Vetter des Friedländers, von erwiesener Kaisertreue, streute Gift um sich, daß selbst die Räte erschraken. Er zog die Affäre ihres gemeinsamen Verwandten Smirsitzky hervor, dessen Vormund der jetzige Herzog gewesen sei, und dessen Habe er sich nach dem Verrat und dem Ausschluß aus der alten böhmischen Adelsgesellschaft angeeignet habe; der Kaiser sei über den Vorgang falsch informiert worden. Er rührte an den Vorfällen, die mit der Existenz eines geheimen Münzkonsortiums zusammenhingen, brachte Tatsachen von so haarsträubender Korruption vor, daß er sich fast der Lächerlichkeit aussetzte; man konnte nach seiner Darstellung schließlich den Kaiser selbst der Teilnahme an jenem peinlichen Verbrechen zeihen. Man mußte über den erstaunlich veränderten, plötzlich so sensationslüsternen stillen Grafen zur Tagesordnung übergehen. Er sah sich am Hof freudig aufgenommen, interessiert festgehalten, dann isoliert; seine Worte blieben liegen. Lautlos zog er sich plötzlich, wie er erschienen war, in seinen Prager Dienst zurück. In Wien summte man hinter ihm; man rechnete auf ihn; hastig übergab man ihm ein Geheimreferat über böhmische Angelegenheiten.

Und man konnte hoffen, baldig dieses neuen Herzogs und Generals über eine unkaiserliche Armada entledigt zu werden. Denn sein Erscheinen auf dem Kriegsschauplatz, die Drohung mit der kaiserlichen Gewalt, hatte die Niedersachsen bewogen, sich zu Verhandlungen zu bequemen, die in Braunschweig stattfanden. Man schickte die verlässigsten Unterhändler hin, gab die schärfsten Instruktionen, nachzugeben bis an die Grenze des Möglichen. Aber während der langen Debatten ergab sich zur Greifbarkeit, daß die Kreisdeputierten nichts als Verschleppung vorhatten, um ihren Bundesgenossen Zeit zur Verstärkung zu geben. Und zu ihrem Groll erkannten auch die Unterhändler, daß Wallenstein die Atmosphäre gründlich verdorben hatte mit drohendem Auftreten, skeptischer Ablehnung selbst an den Gesprächen teilzunehmen. Er warb rastlos weiter. Spione über Spione warf Wien über ihn, suchten sich an ihn zu hängen. Der Kaiser hatte dem Heer die Sanktion gegeben; jetzt schwamm es draußen in der Welt, im Reich herum, von Woche zu Woche unfaßbarer. Sie hatten dies Roß gezäumt, den Reiter in den Sattel gesetzt; Roß und Reiter jagten; wer wollte sie wieder in den Stall bringen. Sie mußten hören, was man ihnen auf Hintertreppen zutrug. Von dem Herrn kamen manchmal Meldungen, und wenn sie nicht kamen, so kamen sie nicht.