Der Italiener erhielt, bevor er abreiste, von dem einsilbigen Präsidenten des Hofkriegsrats das Dekret mit seiner Ernennung zum kaiserlichen Marschall in die fleischigen Hände gedrückt, dazu den Geheimbefehl bis zum verabredeten Augenblick Verschwiegenheit über die Ernennung zu bewahren. Schon nach fünf Tagen konnte der Italiener nach Wien melden, daß er durch eine kleine zuverlässige Schar seiner Landsleute zwei der sächsischen Kuriere habe meucheln lassen; es hätten sich bei ihnen Chiffrebriefe für den Grafen Trzka gefunden, die er mitschickte.

Mit Gewalt mußte Graf Schlick den Ansturm des spanischen Ognate und einiger jesuitischer Herren abweisen, die ihn zu sofortiger Niederwerfung Wallensteins drängten; er deutete ihnen die Schwierigkeit der Situation an. Man könnte nur Schritt für Schritt vorgehen, man riskiere, den Herzog vor der Welt als Märtyrer hinzustellen. Man müsse ihn bequem ganz herauskommen lassen, im Augenblick die Zeit zur Unterminierung seines Bodens ausnutzen.

Um diese Zeit verließ Graf Slawata, der noch immer schöne blühende Mann, Wien, den Hof und Kuttner, um nach Prag zurückzukehren. Kuttner begleitete ihn einen halben Tag Wegs. „Vergesse der Herr nicht unsere Geschäfte“, lächelte Slawata, als der Jüngling ruhig weiter neben seinem Wagen reiten wollte; „in Prag gibt es keine Lorbeeren zu gewinnen, aber Wien hat ein üppiges Klima dafür.“ „Ich will beten, daß, wenn der Herzog zu Friedland fällt, Ihr die Krone von Böhmen bekommt. Ihr seid der beste Mann des Landes.“ „Nach Hause! Kuttner! Rasch! Sorgt, daß man mich nicht am Kragen kriegt. Es wird heftig zugehen. Weg, lieber Kuttner, der bayrischen Durchlaucht bester elegantester schönster Diener. Es ist keine Zeit für verträumte Kinder auf der Straße.“ Kuttner ließ noch lange seine Hutbänder auf der geschwenkten Degenspitze wehen.

Slawatas Wagen aber machte plötzlich eine Wendung. Rasselnd schlug er die Richtung auf Pilsen ein.

In der grünen heißen Kammer der Kaiserin hob sich rauschend die blutrotgekleidete Vortänzerin und tanzte langsam vor der Mantuanerin im Zimmer herum. Sie forderte mit den winkenden Händen, den lockenden ringreichen Fingern die zweite zitronengelbe auf, die neben der Mantuanerin hockte. Sie faßten sich an den Händen, um die Hüften, sich schlingend, schleiften sich über den Teppich. Am Ofen sang eine feine helle Stimme: die dralle Gräfin Kollonits, den sinnenden schwarzen Kopf an der Tapete, beide Hände vor den Augen.

Und als sie zu Ende getanzt hatten, sang sie einsam am Ofen weiter: „Vionetus von Engelland, ein König mächtig sehr, seine Tochter Ursula genannt, der Jungfrauschaft ein’ Ehr. Weil sie mit Christi Blut erkauft und durch des Höchsten Will’ getauft, hat sie Christus erwählt allein, in Keuschheit stets zu dienen sein.“

Vom Boden, wo die Mantuanerin lag, stieg wie dünner Rauch immer das Seufzen auf: „Wie schön! Singt es noch einmal.“ „Wie schön, noch einmal.“ „Ich will nicht soviel singen,“ bat die Gräfin, „des Kaisers Majestät sitzt in der Kammer und wartet.“ „Was du drängst.“ „Kommt mit“, lockte die Mantuanerin, die den Arm ihrer Dame nahm, die beiden Damen.

Ferdinand lächelte ihnen staunend entgegen: „Ich habe gehört, wie gesungen wurde. Aber ich habe teil an der höllischen Passauer Kunst.“ Die zitternde Frau ließ sich in einen Sessel führen. „Ich bin ganz und gar gefroren. Es kommt nichts an mich heran. Hab’ ich es nicht schon einmal gesagt, Eleonore. Danke, meine Damen, rot wie die brennende Liebe, gelb wie Neid. Wo ist Grün vor Minne?“ Und wie die Damen hinaus waren, faßte er sie bei der Hand an: „Ich habe Trautmannsdorf zu mir gebeten; er wollte mich unterhalten.“ „Kommt herein,“ er zog den verwachsenen Grafen aus der Vorkammer zu sich, „ja lacht. Ich predige Euer Lob. Ihr seid mein Gesellschafter.“

Die Kaiserin suchte Trautmannsdorfs Blick zu erhaschen, um ihn in ihre Gewalt zu bekommen; sie lächelte in halber Verzweiflung: „Wie kann denn die Welt so schlecht sein. Wir sind ja alle Christen. Die Welt ist ja zweierlei jetzt, die alte sündige Welt und Jesus, und der Heiland. Man mag nicht so viel von dem Bösen reden.“ Ferdinand näherte sich ihr, strich ihr freudig die Schulter: „Wie gut du das sagst, Eleonore.“

Sie brach fast zusammen unter ihrem Schmuck. Die Augen angezündete Kerzen, schaukelnde Windlichter, in hypnotisierender Weiße.