Die Höhen nördlich Breitenfeld bezog er unter Trommelschlag und klingendem Spiel mit seinen Massen. Sechzehn Regimenter zu Fuß, sechzehn zu Pferd zog er hinauf. Der Schwede und Sachse kamen an.

Sie konnten nicht rasch genug ihr Blut mischen.

Von morgens neun bis mittags vier wurden achttausend zu Leichnamen aus Tillys Soldaten, fünftausend aus den schwedischen und sächsischen gemacht. Unter den schweren Kürissern zerriß sich vor Kriegswut Gustaf Adolf, sein ungeheurer Gaul mochte ihn tragen wohin er wollte. Ihm war die Welt versunken. „Gott mit uns“, schrie er automatisch, sein Schwert raste, hatte teil an seiner Bestimmung. Das Leben der Leichen stieg stürmisch in ihn über, machte sein Gehirn trübe und trunken, dehnte ihn zum Klagen und Platzen. Er prustete im Schlachten, wieherte wie ein Hengst. Sein Schwert kämmte, er kämmte die Kaiserlichen, war ein Barbier. „Gott mit uns“, brüllte er. Die Leben blühten ihm erstickend zu, er konnte sich ihrer nicht erwehren, es war zuviel. Kanonenkugeln sausten über ihm; eine fegte ihm den weißen Hut mit der dicken grauen Feder ab; er atmete tief den Luftzug, der mit ihr kam; wenn bald wieder einer käme.

Sie schlachteten sich mit großer List ab, suchten sich den Wind abzufangen, um den andern vom Staub blenden zu lassen. Als ein einziger mächtiger Klotz auf spanische Art gefügt, stand Tillys Heer da, das Treffen zehn Glieder tief, gespalten in sehr große tiefe Vierecke. Der Feind kam an, Livländer Kurländer Finnen Schweden Sachsen, den Wind im Gesicht, den breiten Loberbach überschreitend, sein Gestrüpp durchbrechend, bewegliche Brigaden, auf den Flügeln Reiter mit Musketieren wechselnd. Seine Kavallerie sprengte drei Reihen hoch, schoß, wie sie das Weiße im Auge sah, zwei Salven, zog den Degen.

Tillysche Regimenter gaben eine Salve ab. Die Sachsen warfen das Hasenpanier auf, Fahnen und Geschütze lassend. Tobend sprangen die Kaiserlichen in die Lücke, drehten die sächsischen Kanonen um auf die schwedischen Regimenter. Die klammerten sich an den aufgerissenen Boden, massierten sich dichter von Minute zu Minute.

Und wie ein Trompeter nach langem Ziehen aus tiefster Brust einen endlosen schmetternden Schrei von sich gibt, der sich wie eine Schwalbe in den Wolken verliert, so stießen die Schweden aus vierundfünfzig Geschützen eine Feuerwoge über die Deutschen, eine viertel Stunde, eine halbe Stunde, eine Stunde, zwei Stunden, die Luft anfüllend mit Fünfpfündern Zehnpfündern, anwachsend und nicht nachgebend mit halben Kartaunen, stampfend stampfend mit ganzen Kartaunen. Wie eine Mauer, im Fundament erschüttert, brach lange an sich haltend schwer das deutsche Heer über das Schlachtfeld hin. Stürzte die Reiterei, wurde begraben das Geschütz, das Fußvolk.

Auf die rieselnde staubende menschenstreuende Flucht nahm Regiment Kronberg den verlorenen Brabanter mit. Das Morden in ihrem Rücken ging weiter. Sie hörten den frenetischen König im Dunkel Viktoria auf dem Felde schießen. Er schrie schweißtriefend, halb besinnungslos lachend, nach allen Seiten winkend: „Gott ist lutherisch geworden, Gott ist lutherisch geworden.“ Tote wurden in der hereinfallenden Nacht weit und breit gesät, die Schweden blieben an der Arbeit.

Tilly floh, floh, tat nichts als fliehen.

Hinterher marschierten die Regimenter Starrschädel schwarzgelb, Löser rotweiß, Klitzing blauweiß, Arnim rotschwarz, Schwalbach rotgelb, Ställhanske, Wunsch, Tott, Westgotland, Smaland, Ostgotland.

Als von den Wiesen und vom See her weiße Nebelschwaden unter den Brücken gegen die Stadt zu schwammen, die östlichen Straßenzüge Mantuas durchwanderten, stieg fröstelnd der Kaiser, weißgekleidet aus dem Wagen, um an die Häuser zu treten. An der Karmeliterkirche, bei der Brücke Sankt Giorgio, wo sie als Mädchen die erste Kommunion empfangen hatte, wollte ihn die Kaiserin in ihrem Wagen erwarten. Die voranreitenden Hatschiere suchten unter den Ruinen; an einer abschüssigen Gasse sah man unten einen Wagenzug, Reiter voraus, sechsspännige kaiserliche Wagen, Türen geschlossen. Die Hatschiere Ferdinands gaben den kaiserlichen Trompetenruf; die Türen blieben geschlossen. Langsam wanderte Ferdinand die verödete morastige Gasse herunter; wie er den ersten Wagenschlag öffnete, schluchzte es drin. Er hatte es erwartet, setzte sich neben Eleonore.