»Weißt du, Kather,« ruft sie mir, die ich in der Hängematte liege (für mich der bescheidene Begriff erreichbarer irdischer Glückseligkeit) und diese Blätter noch einmal durchsehe, fröhlich zu, »daß ich selig bin zu wissen, daß die gelbe Gefahr auf immer beseitigt ist?«
»Ja,« lächle ich müde, denn mein Nichtchen erinnert mich an mein totes Kind, »das ist ein Traum, der ausgeträumt ist.«
Jenny versteht mich, ihr Glück hat sie vertieft, veredelt. Sie streicht liebkosend über meinen Arm und preßt unwillkürlich ihren blonden Liebling fester an sich, der Doktor aber, der rührend lieb gegen mich ist und eine ernste Stimmung nicht aufkommen lassen will, zieht sein schönes, junges Weib und das süße Kindchen zärtlich an sich und sagt mit der Eitelkeit und dem Selbstbewußtsein, die jedem Manne des Westens wie des Ostens eigen:
»Es gibt ja auch noch ganz nette Europäer.«
Und Jennys glückstrahlende braune Augen sagen »Amen«.
Im Verlag
Deutsche Buchwerkstätten Dresden
ist ferner erschienen:
Der Hof
des Schweigens
Roman von Anny Wothe
Es ist ein heiliges Land, das wir hier in diesem so glänzend geschriebenen Roman der gefeierten Erzählerin betreten. Es ist das Eis- und Feuerland, das Land der alten Göttersagen, das Land der Sagas und der holden Frauen, das Land der nach Freiheit dürstenden Söhne des starren Eislandes mit seinen tausend Wundern. Island, das noch so wenige kennen, tut uns in diesem Roman weit seine herrlichen, unbekannten Zauberwelten auf, daß wir erschauern vor der seltsamen Schönheit dieser Wunderwelt. Anny Wothe gibt uns in dem Roman »Der Hof des Schweigens« ein glänzendes Gemälde von Land und Leuten der herrlichen Insel im starren Nordlandsmeer. Die Verfasserin hat mit dem feinen Fühlfaden der Seele und offenem künstlerischen Blick, gepaart mit gründlicher Kenntnis der Bewohner des Landes, in diesem Roman ein Seelengemälde von so künstlerischer Eigenart und erschütternder Tragik geschaffen, daß wir nicht müde werden, dieses herrliche Buch immer und immer wieder zu lesen.