Ueber die Tracht der Ordensgeistlichen.

Ueber die Reliquien, Opfer und Mirakelbilder.

Von Abschaffung der Weihnachtsmetten.

Ueber die Universität in Wien.

Die Gelehrten im Nasenlande.

Der Glückshafen für gelehrte Maulaffen.

Ueber die zehn Kreuzer Autoren.

Kaufts allerhand! Kaufts allerhand! Kaufts lang und kurze Waar!

Alle diese Broschüren, davon die meisten in die Rubrik Makulatur gehören, und noch beyläufig dreymal so viel, erschienen voriges Jahr in einer Zeit von wenigen Monaten, wurden gekauft und gelesen. – Sie sind den Titeln nach ein ziemlich vollständiges Repertorium über Wien; aber wehe dem, der daraus Wien beurtheilen wollte. Die meisten erschienen blos des Geldes wegen, waren in einem Tage fertig, am zweyten gelesen, und am dritten vergessen. Man glaube indessen ja nicht, daß man es bey einer Broschüre über einen Gegenstand bewenden ließ. Es war beynahe keiner, über den man nicht wortwechselte. Die Schrift: Ueber die Begräbnisse, die allerdings viel bessere Nachfolger verdient hätte, zog 21 Streitschriften nach sich, bey welcher Gelegenheit der Ehrw. P. P. Fast, Curatus zu St. Stephan mit zweyen von Amtswegen verfaßten Gegenschriften seine rühmliche Schriftstellerlaufbahn eröffnete. Die Beyträge zur Schilderung Wiens, eine in vielem Betracht merkwürdige Schrift, der zur Empfehlung nichts, als ein den Gegenständen mehr angemessener Ton fehlte, veranlaßte über 10. Streitschriften, und ihr haben wir den katholischen Unterricht des oberwähnten P. P. Fast in 10. Theilen, das Stück zu 7 Kreuzer zu danken, durch welchen der eifrige Herr Verfasser dem christlichen Fragbüchelunterricht des 16ten Jahrhunderts, der durch die neuen Normalbücher schon beynahe in Vergessenheit gesunken war, wieder auf die Beine geholfen hat.[(1)] Die Schrift: über die Stubenmädchen in Wien, von Herrn Rautenstrauch war eine der glücklichsten Autorspekulationen für ihn, und die Herren, welche sich an ihn anhiengen. 25 Broschüren schlugen sich für und wider diesen Gegenstand, und bewiesen deutlich, was für einen wichtigen Theil des Publikums die Stubenmädchen ausmachen müssen. Von dieser Zeit an giengen die Manufakturen der Tagesprodukte unermüdet fort, und in jedem Monate durfte man auf 50 bis 60 Broschüren sicher Rechnung machen. Jeder Vorfall, jede Tagesneuigkeit ward zur Broschüre, und die alles regierende Göttin Gelegenheit, die sonst Juvenale und Buttlers zu unsterblichen Werken des Geistes aufrief, amusirte sich in Wien damit, zwey Bogen langen Broschüren das Daseyn zu geben. Die Schriftsteller schienen den Geschmack des Publikums wohl getroffen zu haben, sie verlegten sich auf Persönlichkeiten, Familienvorfälle, u. d. gl., und Dinge, die sonst nur in vertrauten Kreisen und freundschaftlichen Unterredungen abgehandelt wurden, giengen itzt durch die Hände eines ganzen Publikums. Aber auch dieser Speisen ward man in die Länge satt, und als man minder gierig zuzugreifen anfieng, so war es eine Freude zu sehen, wie mancherley Schilde die Herren aushiengen, wie einer des andern Küche verlästerte, wie einer den andern Schmierer schalt, und wie jeder gegen den Schwall von Broschüren loszog, den er mit den seinigen vermehren half. Allein der Käufer wurden demungeachtet weniger, die Verleger behutsamer und eckler, und vermuthlich würde die sichtbar zunehmende Lauigkeit des Publikums den Schreibern nach und nach das Handwerk gelegt haben, hätte nicht die Ankunft des Pabstes dem ganzen Schriftstellerwesen eine neue Schnellkraft und eine andere Wendung gegeben.

Diese zweyte Epoche eröffnete der inländischen Litteratur eine tröstlichere, hellere Aussicht. Männer von bessern Köpfen standen auf, und selbst viele von denjenigen, deren Schriften bisher eben so unbedeutend waren, als die Gegenstände, welche sie behandelten, schienen nun zu beweisen, daß es ihnen vorher nur an Materie zum Schreiben gefehlet habe, und daß ihre Schreibsucht ihnen nicht Zeit ließ, auf eine bessere Wahl der Gegenstände zu denken. Freylich sucht der Schriftsteller von Beruf nicht erst den Stoff, wenn er sich hinsetzt zu schreiben, sondern der Stoff sucht ihn, und drängt ihn, wenn er den Mann findet, an das Pult; er nöthigt ihn, sich der Ideen, die sich über den einmal gefaßten Gegenstand in ihm entwickeln, zu entledigen, das, was er gedacht, beobachtet, entdeckt hat, seinen Lesern mitzutheilen, und das ists, was seinen Beruf zum Schreiben ausmacht. Es giebt zwar, wie bekannt, einen noch dringenderen Schriftstellerberuf, als diesen, einen Beruf, den man im Magen fühlt, aber den kennt man leider aus seinen Früchten, und nie war er vielleicht kenntlicher, als an den unzeitigen Gewächsen, die er in der ersten Periode der Preßfreyheit, auf dem österreichischen Boden hervorbrachte. – Mit des Herrn Landraths Eybel Abhandlung: Was ist der Pabst? begann nun die neue bessere Periode der inländischen Schriftstellerey. Eine deutsche, selbst dem Volk verständliche Abhandlung über einen Gegenstand, der bisher entweder bloß lateinisch, oder nur von protestantischen Schriftstellern deutsch, aber immer nur für Sachkündige allein behandelt worden war, würde auch ohne die freymüthige Einschränkung der päbstlichen Rechte, die ihren Inhalt ausmachten, Aufmerksamkeit zu einer Zeit erregt haben, wo der Gedanke Pabst in den Köpfen einer halben Welt, und vor allen in denen des Wiener Publikums ein ausschließendes Recht zu walten hatte. Schon der Titel der Schrift war für das Volk, geistlichen und weltlichen, adelichen und bürgerlichen Standes, eine kühne vermessene Frage, unerhört in den älteren Katechismen, in welche man sich wohl jede andere Frage: nur niemals die: Was ist der Pabst? erlaubt hatte. Noch weit unverzeihlicher schien der Inhalt, und fast allgemein war die Empörung derjenigen, welche in ihren Klöstern eine freylich ganz andere Lehre über diesen Gegenstand eingesogen hatten. Aber was diese Zeloten am meisten wider den Verfasser empörte, waren dessen sieben Kapitel von Klosterleuten, die mit seiner Abhandlung über den Pabst zugleich erschienen, und gegen ihr unmittelbares Interesse gerichtet waren. Da sie nun gegen diese wenig oder nichts vorbringen konnten, so war es natürlich, daß ihnen die Schrift über den Pabst zum Ableiter ihrer Erbitterung dienen mußte. Sie donnerten von der Kanzel herab gegen den Verfasser, und P. Merz in Augsburg hielt in einer öffentlichen Kontroverspredigt Gericht über ihn. Nichts war bey dieser Gelegenheit lustiger anzusehen, als wie sich die Eiferer auf der Kanzel wandten, und krümmten, um dem Verfasser eins anzuhängen, ohne sich gegen die Grundsätze des Staats und der Censur, welche diese Schrift billigte, zu verstoßen. Aber noch eifriger, und folglich noch gröber waren sie mit der Feder. Ein jeder, der dagegen schrieb, nannte seine Lehre ächt und uralt, und bedachte unglücklicher Weise nicht, daß die Grundsätze des Mittelalters freylich, leider! uralt, aber die der ersten Kirche noch urälter, und folglich auch ächter seyen. Kurz über 70 Schriften zogen allein für und wider diesen Gegenstand zu Felde, und das Resultat aller Gegenschriften war, daß sie des Verfassers Abhandlung, statt sie zu widerlegen, bekannter, gesuchter, und folglich gemeinnütziger machten. Dieß bewies augenscheinlich der erstaunliche Absatz derselben, und die Eilfertigkeit, mit welcher sie ins lateinische und französische übersetzt ward. Sogar der Titel dieser Abhandlung schien Epoche zu machen; eine Menge Schriften erschienen von nun an in Gestalt von Fragen, und indeß der Verfasser selbst noch einige Gegenstände des Kirchenrechts auf diese Art behandelte, wimmelte es von fragenden Titeln. Man frug: