»Ich weiß noch nicht,« versetzte William ernst, »wozu es gut und für uns heilsam war, daß wir dieses Unheil erfahren mußten; allein ich hege das feste Vertrauen zu der Gnade, Weisheit und Freundlichkeit meines Gottes, daß er es auch in dieser Prüfung gut mit uns meinte, und daß sie zu unserm wahren Heile dienen werde.«
Kolbi konnte dies noch nicht recht verstehen, sondern schüttelte bedenklich das Haupt und meinte: Gottes Güte offenbare sich nur in dem seinen Geschöpfen verliehenen Glücke. Er sollte aber, zu seinem Heile, eines Bessern belehrt und davon überzeugt werden, daß Gott seine Menschen eben am meisten liebt, wenn er ihnen Trübsal sendet. William legte indeß nicht lange die Hände in den Schooß, sondern machte sich sogleich davon, die Trümmer der Hütte zu untersuchen, um zu sehen, ob die Wiederherstellung derselben wohl möglich sein würde. Diese Untersuchung gewährte aber ein ziemlich trostloses Resultat: weit über die Hälfte der Bretter war verbrannt und der noch übrig gebliebene Theil in einem solchen Zustande, daß an den Wiederaufbau nicht gedacht werden konnte; ja, der Rest der Bretter reichte nicht einmal hin, das Dach einer von großen Steinen ausgeführten Hütte zu decken. Das war dann freilich eine ziemlich trostlose Aussicht, um so mehr, da die Höhle noch immer von den Ameisen bewohnt wurde, die sich für immer häuslich darin niedergelassen zu haben schienen. Indeß mußte doch ernstlich auf ein sicheres Obdach gedacht werden, da, wenn wieder ein Unwetter eintreten sollte, sie ohne ein solches nicht hätten sein können.
Die Sache hatte indeß große Schwierigkeiten, denn einestheils hatte man bereits die in der Nähe aufzutreibenden größern Steine zur Umzäunung des Gartens benutzt, und die Gartenmauer wieder einzureißen, dazu konnte William sich nicht verstehen, da er sich des vielen vergossenen Schweißes erinnerte, unter dem sie die nöthigen Steine herbeigeschafft und aufgethürmt hatten; anderntheils wurden zum Bau der Hütte eine so große Menge von Steinen erfordert, daß man Monate lang daran hätte schleppen müssen, und doch war das Bedürfniß eines schützenden Obdachs so dringend. Die Mauern, welche die Hütte bilden sollten, mußten von einer doppelten Lage von Steinen aufgeführt werden, damit sich die eine Lage gegen die andere stütze; denn man hatte ja keinen Mörtel, um die Steine gehörig miteinander zu verbinden und aneinander zu befestigen.
»Es sieht sehr schlimm um uns aus,« sagte William zu Kolbi, der sich wie ein Kind noch immer mit dem wiedergefundenen Papagei beschäftigte und für nichts Anderes Sinn zu haben schien, »es sieht sehr schlimm um uns aus, und wir werden, fürchte ich, noch manche Nacht unter freiem Himmel zubringen müssen, bevor wir wieder eine neue Hütte haben werden.«
»Daß wir unter freiem Himmel schlafen, ist nicht nöthig,« versetzte Kolbi mit gleichgültigem Tone; »für mich wäre das übrigens kein allzugroßes Unglück, da ich daran gewöhnt bin,« fügte er hinzu, »und Regen und Unwetter wird es sobald wohl nicht wieder geben: hat doch der böse Geist alles Wasser ausgegossen und muß erst neues wieder sammeln, um es über uns auszuschütten.«
»Ich aber fürchte mich davor, unter freiem Himmel übernachten zu müssen,« nahm William wieder das Wort, »weiß ich doch, wie nachtheilig das auf meine Gesundheit wirkt.«
»Nun, so arbeiten wir nur am Tage hier,« versetzte Kolbi, »und kriechen Nachts in die Höhle des Koala, die nicht allzuweit von hier ist. Das Thier wird sie uns schon noch längere Zeit abtreten müssen und sollte es sich zudringlich zeigen, so haben wir ja noch unsere Axt, um es todt schlagen zu können.«
William, der an diesen Ausweg nicht gedacht hatte, war sehr erfreut über Kolbis Vorschlag und nahm ihn mit Freuden an. Dann wurde sogleich zum Werk geschritten: man räumte die Trümmer weg, legte alles brauchbare Holz auf die Seite, reinigte den Boden und schleppte Steine herbei, welches letztere freilich eine unendlich mühsame Arbeit war, da man die Steine zum Theil sehr weit suchen mußte. Indeß verlor man trotz dem den Muth nicht und auch die Kräfte reichten aus, da man sie durch eine gehörige Nahrung und einen gesunden Schlaf wieder stärkte.
Auch für eine größere Bequemlichkeit in der Höhle des armen Koala wurde gesorgt, indem man sie so erweiterte, daß Beide bequem Platz nebeneinander fanden, und man den Boden mit ausgerauftem Grase bedeckte, das ein weiches, duftiges Lager bildete.
Man arbeitete unausgesetzt den ganzen Tag über, mit Ausnahme der Zeit, deren man zur Zubereitung und zum Genusse der Speisen bedurfte, und schon nach etwa vierzehn Tagen hatte die Steinmauer, die man in einem regelrechten Viereck aufführte, die halbe Höhe ihres Leibes erreicht. Mit herzinniger Freude sahen unsere Freunde ihr mühsames Werk mit jedem Tage mehr wachsen, und so sauer ihnen auch manchmal der Transport der schweren Steine wurde, die noch obendrein bergauf geschleppt werden mußten, so hörte man doch keine Klage von ihnen, und unter fröhlichen Gesprächen und Gesängen schritt das Werk vorwärts.