Mutter. Ich weiß wohl, daß du nie so gut weinen kannst, als wenn du Hunger hast.

Dorte. Darum schickt Ihr mich so oft mit leerem Magen zum Betteln aus.

Vater. Ja die Dorte zwingt es immer mit ihren Thränen, der Wilhelm aber mit dem Verstande. Das ist ein kluger Kopf! der wird es noch weit bringen.

Dorte. Bis zum Galgen! so meinte neulich ein dicker Herr.

Mutter. Wer war der Schändliche, der sich unterstand, das von meinem Wilhelm zu sagen?

Dorte. Ich kenne ihn nicht, es war am Sonntag.

Vater. Wo der Wetterjunge 12 Groschen nach Hause brachte.

Dorte. Ja! die er sich mit Lügen verdient hatte.

Mutter. Wie so denn?

Dorte. Er hatte sich an einer Straßenecke aufgestellt, wo viele Leute vorüber gehen mußten; dort that er, als ob er weine und etwas suche. Kam nun ein Mitleidiger vorüber und frug: was ihm fehle? so klagte er, daß er einen Groschen verloren habe, wofür er für die kranke Mutter Arznei habe kaufen sollen; nun werde er Schläge erhalten, wenn er nach Hause käme. Und mancher Vorübergehende schenkte ihm einen Groschen. So wie der Geber sich aber entfernt hatte, begann die Geschichte von Neuem.