Glücklicher Weise sind diese Thiere nicht sehr zahlreich und blos auf das heißeste Klima Ostindiens beschränkt.
Wenn der Tiger irgend ein großes Thier, z. B. ein Pferd oder einen Büffel getödtet hat, so zerreißt er es nicht an der Stelle der That, sondern er schleppt es in die Tiefe des Waldes mit einer Leichtigkeit, daß die Schnelligkeit seines Laufes gar nicht durch die Schwere des Gegenstandes gehemmt zu sein scheint. Der Tiger ist vielleicht das einzige Thier, das man nicht zähmen kann; er ist immer bös, sowohl wenn man ihn gut, als wenn man ihn schlecht behandelt. Nicht Gewohnheit, nicht Zeit vermag ihn zu bändigen; er zerreißt die Hand, welche ihm Nahrung reicht, wie die, welche ihn schlägt und alles Lebendige erscheint ihm nur als erschaffen, um seine Beute zu werden. Die Tigerin wirft wie die Löwin 4-5 Junge, und ihre Wuth steigert sich bis zu einem entsetzlichen Grade, wenn man dieselben raubt.
[Der Panther]
gehört ebenfalls zum Katzengeschlecht. Er sieht wild aus, hat ein stets unruhiges Auge; seine Bewegungen sind heftig und seine Stimme gleicht der eines wüthenden Hundes. Die Zunge ist rauh und sehr roth; die Zähne sind stark und spitzig, die Krallen hart und scharf. Das Fell ist schön, mit schwarzen ringelartigen Flecken besäet. Der Panther gleicht an Gestalt und Größe einer Dogge von guter Raçe, nur mit kürzern Beinen.
In Persien und andern Theilen von Asien pflegt man den Panther zur Jagd zu benutzen, ohne ihn jedoch zähmen zu können, denn er verliert nie seinen wilden Charakter und wenn man sich seiner bedienen will, bedarf es großer Mühe, um ihn abzurichten und noch größere Vorsicht, um ihn auszuführen und zu benutzen.
[Die Unze]
ist zahlreicher und weiter verbreitet als der Panther. Sie lebt gewöhnlich in Arabien und im südlichen Asien; man bedient sich ihrer dort zur Jagd, weil in den heißen Ländern Asiens die Hunde selten sind. Die Unze hat indeß den Geruch nicht so fein wie der Hund und kann das Wild nicht nach seiner Fährte verfolgen; auch würde es nicht im schnellen Laufe verfolgen können, sondern jagt nur nach dem Gesicht und kann sich nur aus dem Hinterhalt auf ihre Beute stürzen und sie niederwerfen.
[Der Leopard]
hat dieselben Gewohnheiten und denselben Charakter, wie der Panther, aber man kann ihn nicht so leicht zähmen; er bewohnt den Senegal und Guinea, wo man ihn sehr häufig findet. Panther, Unze und Leopard bewohnen nur die hintersten Landesstrecken von Asien und Afrika; sie halten sich am liebsten im dichten Walde und am Ufer der Flüsse auf oder auch in der Nähe entlegener menschlicher Wohnungen, wo sie den Hausthieren auf dem Wege nach der Quelle gern auflauern. Sie fallen selten Menschen an. Leicht erklettern sie Bäume, von deren Zweigen sie auf ihre Beute herabstürzen. Obgleich sie meistens sehr mager sind, so gilt ihr Fleisch doch als Leckerbissen für den Reisenden.
Wilhelm wendete bald sein Interesse von dem Bericht des Menageriebesitzers ab und den Affen zu, welche auch gar zu lustig anzuschauen waren. Sie befanden sich in einem großen Bauer, worin sie unaufhörlich umhersprangen. Ueberall gab es allerliebste Affengruppen. Hier flöhte eine alte Aeffin ihr Kind mit mütterlicher Liebe; dort wickelten sie einige Bonbons aus Papierhüllen und grinzten freudig über den Fund. Manche balgten sich, andere schaukelten sich in großen Ringen, die mit Seilen aufgehängt waren, oder sie wiegten sich in Zweigen, die man im innern Raum des Bauers angebracht hatte. Wilhelm meinte immer, diese Thiere müßten Menschen sein, weil sie so menschliche Bewegungen zeigten.