„Wie, Komödie?“ riefen die Kinder einstimmig.
„Ja, auf einem großen Theater in Paris.“
„Man erzählt nämlich eine Geschichte von einer englischen Dame, welche nach einem andern Welttheil reisen wollte, um ihren Mann zu besuchen. Das Schiff legte an der Küste von Afrika an, um Wasser einzunehmen und die Frau stieg mit ihrem Kind an’s Land. Sie setzte letzteres unter einen Baum, um einen Trunk zu holen, und als sie wieder zurückkehren wollte, erblickte sie mit Schrecken einen Löwen, welcher um das Kind herumging, es beschnupperte und leckte. Als das kleine Wesen über die unsanfte Berührung seiner rauhen Zunge zu schreien begann, stutzte der Löwe und entfernte sich in ruhigem Schritt. Die Mutter eilte nun herbei; sie hatte schon gemeint, ihren Liebling todt oder verstümmelt zu finden, aber siehe da, er war unversehrt, und sie sank nieder auf das Knie neben dem Kinde und dankte Gott, daß er das Herz des Raubthiers gerührt hatte.“
„Diese Geschichte wird nun als Singspiel in Paris aufgeführt und mein Löwe spielte mit. Ich hatte ihn seit seiner frühesten Kindheit darauf abgerichtet.“
Prinzeß. Aber, wenn er nun wild wird?
Lisi. Fürchtet sich denn das Publikum nicht?
„Das Publikum weiß wohl,“ versetzte der Menageriebesitzer, „daß mein Löwe von vier dicken Seilen gebunden ist, die man aber nicht sieht.“
Prinzeß. Das Kind ist wohl durch eine Puppe vorgestellt?
Menageriebesitzer. Nein, es ist ein lebendiges Kind.
Prinzeß. Aber welche Mutter wird ihr Kind zu so etwas hergeben?