Nun, dann wollte er es ausrufen, mit schmetternder, übermenschlich lauter Stimme. Mit einer Stimme, die über das Heulen und Krachen der Granaten, von Plava bis Triest, und hinüber nach Tirol, und bis ans Meer in Flandern, und bis zum Persischen Golf hinunter, wie die Fanfare des jüngsten Gerichtes, die Wahrheit verkünden sollte! Schreien wollte er, wie noch nie ein Mensch geschrien hatte:
— Grammophon . . . . . Holt die Köpfe! . . . . . Nur Grammophon! — . . . . .
Da brach seine Stimme, mitten in seiner Heilsverkündung, mit einem gurgelnden Schmerzenslaut plötzlich ab. Es tat zu weh! Er konnte nicht schreien. Ihm war’s, als bohrte sich bei jedem Worte, das er rief, eine spitze Nadel tief in sein Gehirn ein.
Eine Nadel? . . .
Gewiß! Wie hatte er das vergessen können? Auch ihm war ja der Kopf abgeschraubt worden. Auch er trug ja nur eine Grammophonplatte auf dem Halse, wie alle andern. Wenn er sprechen wollte, grub die Nadel sich in seinen Schädel und lief, erbarmungslos, über alle Windungen seines Gehirnes.
Nein! Das konnte er nicht ertragen! Lieber wollte er schweigen. Das Geheimnis für sich behalten. Nur nicht mehr diesen Schmerz, diesen wahnsinnigen Schmerz im Kopfe! . . . .
Aber die Maschine lief weiter. Oberleutnant Kadar packte seinen Kopf mit beiden Fäusten, krallte die Nägel tief in die Schläfen ein. Gelang es ihm nicht, die verdammte Maschinerie rechtzeitig zum Halten zu bringen, dann brach ihm sein eigener Kopf, immer weiter herumgedreht, unfehlbar das Genick in kurzer Zeit!
Eisig perlte der Angstschweiß aus allen Poren.
— Miska! — schrie der Oberleutnant in höchster Not.
Aber Miska verstand nicht, was er tun sollte. Die Platte drehte sich weiter und sang freudig schmetternd den Rakoczymarsch. Schon spannten sich alle Sehnen, . . . . . immer wieder fühlte Oberleutnant Kadar den eigenen Kopf seinen Händen entgleiten; . . . . . schon tauchte sein Rückgrat vor seinen Augen auf! Mit einer letzten, rasenden Kraftanstrengung versuchte er noch einmal in den Verband hinein zu greifen, den Kopf nach vorne zu pressen . . . . . . Dann . . . . . dann noch ein fürchterliches Knirschen und Stöhnen . . . . . und dann, dann ward es endlich mäuschenstill auf dem langen Korridor.