Ohne Veränderung
Ihr
Schiller.
So schien nun auch dieser Plan gescheitert, auf den nicht nur der Dichter selbst seine größte, letzte Hoffnung gesetzt hatte, sondern welcher auch als der sicherste von allen Freunden zur Befolgung angeraten war. Aufs neue war sein Schiff den veränderlichen Winden preisgegeben, indem die Freundschaft mit Hrn. von Wrmb viel zu schwärmerisch, mit viel zu großen Erwartungen geschlossen schien, als daß man auf einige Dauer hätte zählen können.
Größeres Vertrauen flößte die Bekanntschaft mit Hrn. Reinwald ein, der Hrn. Schwan als rechtlicher Mann, als Dichter und Schriftsteller bekannt war und sich gewiß um so inniger an Schiller anschloß, je genügsamer dieser in seinen Forderungen und anmutiger im Umgange sich gegen jeden zeigte.
Was die Äußerungen der Frau von Wolzogen betrifft, so waren diese ebenso verzeihlich als begreiflich; denn ihre Söhne, deren Bekanntschaft Schiller den Schutz zu danken hatte, der ihm jetzt gewährt wurde, waren noch in der Akademie, und erfuhr der Herzog, von wem sein flüchtiger Zögling verborgen gehalten werde, so konnte er leicht – vorausgesetzt, daß er sich zu einer Rache herablassen möge – seine Ungnade den Söhnen der Frau von Wolzogen auf eine Art empfinden lassen, die ihr Glück nicht nur für jetzt, sondern auch in der Zukunft bedeutend gestört haben würde.
Der Verfolg zeigte jedoch, daß die Besorgnisse der Beschützerin entweder nicht sehr ernsthafter Art gewesen oder daß Schiller seine Empfindlichkeit darüber zu besiegen wußte; denn er blieb nicht nur den ganzen Tag[4] in Bauerbach, sondern brachte auch die Hälfte des folgenden Sommers daselbst zu. Durch ähnliche Nachrichten wie die, welche er seinem Freunde nach Mannheim schrieb, versetzte er auch seine älteste Schwester in die größte Unruhe, und ein Brief, den sie deshalb an den Bruder schrieb, gab zufällig die Veranlassung zu ihrer Bekanntschaft mit Herrn Reinwald, die sich einige Jahre später in eine lebenslängliche Verbindung umwandelte. Aus dem Briefe des Herrn Reinwald an die Schwester von Schiller möge das Wichtigste, was sich hierauf bezieht (mit der damals gebräuchlichen Rechtschreibung) einen Platz finden.
Meiningen. 27ten Mai 1783.
Mademoiselle
Ein besonderer Zufall macht mich so frei, an die Schwester meines Freundes diese Zeilen zu schreiben. Unter etlichen Papieren, die Hr. D. S** nach einem Besuch bei mir liegen lassen, fand ich einen Brief von Ihnen. Es war wohl nicht Sorglosigkeit allein daran Schuld, sondern auch Vertrauen, denn ich glaube gänzlich, daß er mich liebt.