53.
Das Rößlein ist’s, das seinen Reiter trägt
Und sich im Dienst der Menschen treulich regt.
Es ist’s der Mensch, der seine Sache kennt,
Und der des Wissens viel sein eigen nennt.
Doch ist’s das Glas, das er vor Augen hat,
Dann scheint die Welt ihm trübe rings und matt.
54.
Sie weiß sich behende zu drehen,
Läßt nie auch sie tanzen sich sehen.
Will Menschenkraft aber versagen,
Dann hilft sie oft heben und tragen.
Bald wird sie geschäftig befunden,
Was lose, zu ordnen und runden;
Bald harrt sie reglos am Strande,
Auf daß, stößt ein Schifflein zu Lande,
Ihm sicherer Halt nicht gebricht –
Die Starke, sag’, kennst du sie nicht?
Sie weiß nichts von Sorgen und Mühen,
Will wachsen nur, ranken und blühen
Im wärmenden Sonnenlicht –
Die Zarte, sag’, kennst du sie nicht?
Doch meinet mein Wort nicht jene nur;
Nein, Andersgearteten komm auf die Spur:
Das sind gar luft’ge Gesellen,
Tut keiner es gleich den Schnellen.
Wo ist ihre Heimat? Sie ziehn durch die Welt
Und können es treiben, wie’s ihnen gefällt.
Drum, eilen sie stürmisch herfür,
Verschließt ihnen mancher die Tür.
Doch nah’n sie auf friedlicher Reise,
Dann freut man sich oft ihrer Weise.
Auch lieben sie’s, durch die Weiten
Den Abend still zu begleiten,
Sanft flüsternd im Dämmerschein,
Und schlafen oft ein –
Sind’s Brüder, wie man wohl spricht?
Sag’, kennst du sie nicht?
55.
Es ruht oft still und leblos vor dir,
Nicht mehr dir geltend, nun – als Papier.
Doch ist es den Menschen anheimgegeben,
Ihm zu verleihen ein geistiges Leben.
Und in berufene Hand gelegt,
Die’s hält und führt, erscheint’s oft bewegt
Und weckt, o Wunder! ein Tönen und Klingen,
Das Lauschenden tief zu Herzen mag dringen.
Hoch, festlich und sieghaft strebt’s oft empor,
Es zeigt sich an Brücken, an Fenster und Tor.
Von vielen Wanderern wird es beschrieben,
Doch meiden es, die von Eile getrieben.