»Nei, Minsch!« schrie er, »dat is jo rein zu doll!«

Er krümmte sich vor Lachen.

Der verehrte Leser fragt jedenfalls erstaunt, warum die Jungen nach dem Logis laufen, um zu lachen.

Tja, dat is nu man so.

Das übermäßige Lachen und das Führen vorlauter Redensarten ist ein für allemal dem Jungen an Bord verboten, wenn er die Erlaubnis erhält, den Erzählungen der Vollbefahrenen zuzuhören. Hierüber hatte mich rechtzeitig der Zimmermann aufgeklärt:

»Solang as du noch nicht drög22 achter de Ohren büßt, büßt du 'n Näswaater. Und wat 'n Näswaater is, de heet dat Mul to hollen, wenn vernünftige Leute reden, und hat aufzumerken und ornlich zuzuhören, damit er was lernt und nachher was versteht. Und dunn hett 'n Näswaater nicht zu lachen, wie 'n dumme Aujust in't Zirkus, und nicht zu fnistern23 wie 'n unschüllig Jumfer op de Hochtid.«

Unter sotanen Verhältnissen blieb uns also nichts anderes übrig, als uns seitwärts ins Logis zu schlagen und dort zu lachen. Und das taten wir diesmal gründlich und mit gebührender Andacht.

Ludwig Thoma:
Unser guater, alter Herzog Karl is a Rindviech

Eine kämpferische Natur ist Ludwig Thoma, der Peter Schlemihl des »Simplizissimus« und Mitbegründer des »März«, der unerbittliche Peitschenschwinger über alles, was ihn bureaukratisch, engherzig und heuchlerisch im lieben Bayernlande scheint, der schärfste Satiriker und urwüchsigste Humorist der jüngeren Generation und – darüber hinaus – der beste Schilderer des bayrischen Bauerntumes. Seine Fähigkeit, sich in andere Existenzen einzufühlen, ist erstaunlich: er ist »Lausbub«, Bauernbursch, ländlicher Abgeordneter, Krieger, Vagabund, ist es restlos in Denkungsart, Haltung, Ausdrucksweise, Schicksal. Nie stört eine Wendung, die im Munde des Sprechenden unecht klingt; nie tun sich Ausblicke auf, die über den Horizont des dargestellten Kreises hinausgehen. Es hieße indes das Wesen des künstlerischen Schaffens verkennen, wollte man diese auffällige Unmittelbarkeit der Schilderung als naives Fabuliertalent deuten. Sie ist im gleichen Maße auch Ausdruck einer hohen und gepflegten literarischen Kultur, die das eigene Ich des Autors hinter dem Gestalteten unsichtbar macht. Gerade dadurch, daß Thoma die Menschen und ihre Zustände für sich selber reden läßt, erzielt er soziale Wirkungen, um die sich die Tendenzschriftstellerei mit grellen Farben und dicken Unterstreichungen vergebens bemüht. Und darum wirkt auch sein Humor so außerordentlich: weil er aus den Dingen selbst hervorgeht und nicht erst von der vorgefaßten Absicht des Dichters in sie hineingelegt werden muß. Thoma, der am 21. Januar 1867 zu Oberammergau geboren wurde und vom Jus zur Literatur kam, handhabt mit gleicher Meisterschaft das pointierte politische Gedicht wie den Leitartikel, die kurze satirische Skizze wie den wuchtig ausholenden Bauernroman (»Andreas Vöst«), den auf einen witzigen und schlagkräftigen Einfall gestellten Einakter wie das Volksstück großen Stils (»Magdalena«).

L. Adelt.