Das hielt er für eine Liebkosung und vielleicht war es auch eine, wer konnte das wissen? Er stand und sah ihr nach, bis sich der letzte Schein ihres hellen Röckchens im Dunkel der Gasse verlor.
Elftes Kapitel
Wer mir irgend einen Ort zu nennen weiß, in dem es zur Dämmerstunde heimlicher, wärmer und behaglicher ist, als in der Studierstube des Rektors Cabisius, der komme und zeige mir ihn.
Ich meine nicht zur Sommerszeit, wo die Fenster nach der Straße offen stehen und das Jauchzen und Singen der spielenden Kinder hereinschallt.
Da stand der Rektor wohl oft am Fenster und summte leise mit, wenn sie in den Kreis traten und sangen: „Es war ein Markgraf überm Rhein, der hatt’ drei schöne Töchterlein,“ oder: „Ei, wer sitzt in diesem Turm?“ Und anderes mehr.
Da saß wohl in der Dachrinne eine Amsel und sang auch mit, über all die Lust hin.
Aber öfter ging er um diese Zeit mit seiner Frau Anne im Garten auf und ab, zwischen den Rabatten mit der Buchseinfassung, oder hinten, im Obstgarten, unter den Bäumen.
Nein, ich meine nicht im Sommer.
Ich meine im Spätherbst, wenn die Tage kurz werden und der Wind durch die Straßen fährt auf breiten, rauhen Flügeln.
Wenn er im Garten die Bäume herumreißt, daß sie ächzen, und das dürre Laub, das sich gern zur Ruhe begeben wollte, in die Luft wirbelt.